Band 
Fünfter Teil.
Seite
528
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2. Ein Freundesherz ist ein so selt'ner Schatz,Die ganze Welt beut nicht dafür Ersatz;

Ein Kleinod ist's voll heil'ger Wunderkraft,

Das nur bei festem Glauben Wunder schafft.

Doch jedes Zweifels Hauch trübt seinen Glanz,

Einmal zerbrochen, wird's nie wieder ganz.

3. Drum, wird ein solches Kleinod dir beschert,

O trübe seinen Glanz nicht, halt es wert!

Zerbrich es nicht! Betrachte alle Welt

Als einen Ring nur, der dies Kleinod hält.

Dem dieses Kleinod selbst erst Wert verleiht;

Denn wo es fehlt, da ist die Welt entweiht.

4. Doch würdest du dem ärmsten Bettler gleich.

Bleibt dir ein Freundesherz, so bist du reich;

Und wer den höchsten Thron gewann

Und keinen Freund hat, ist ein armer Mann.

(Fr Bodenstedt.)

201. Ein Samariter.

1. Ist noch ein Rest von Lieb’ in dir,

So geize nicht und gib ihn her,

Die reiche, menschenvolle WeltIst ja an Liebe gar so leer.

2. Auf Märkten biete sie nicht feil,

Auch zu Palästen trag sie nicht;

Doch tritt dereinst an deinen WegEin still verhärmtes Angesicht —

3. Dem sprich: Bedarfst du wohl des Öls?Zeig’ deine Wunde, hier mein Krug —

Und in der Herberg pfleg’ ich dein,

Wenn diese Gabe nicht genug.

4. Ob Dank, oh Undank dir vergilt —

Du ziehe stillen Gangs davon,