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Deutsches Sprachbuch für die dritte Klasse der Sekundarschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans / bearbeitet von U. Wiesendanger
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4
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der Frosch meldet sich im Teiche, daß er aus dem Winterschlafe er- \wacht ist. Alles ruft dir zu:Freue dich mit uns"! Alles zeigt diran, daß der liebe Gott frohe Seelen gern hat. Darum ist der Frühlingein Bote der Freude. i

Auch der Hoffnung. Frage nur den Landmann, der dortseinen Samen streuet, und den andern, der sein Saatfeld betrachtet! 'Die werden dir's erklären, warum der Frühling uns zur Hoffnung auf-ruft. Zwischen dem Samenkorn und der reifen Ähre liegt manche kalteNacht, mancher heiße Tag, die das Körnlein vernichten können; aber :

der Ackersmaun befiehlt seine Saaten in Gottes Hände; darum hofft ;

er ihr Gedeihen. Frage das Vögelein, das dort sein Nest bauet! j

Wenn's reden könnte, würde es sagen:Ich will bei Euch wohnen; i

denn ich hoffe, der liebe Gott wird auch dies Jahr für mich und meine !

Kleinen den Tisch decken". Und der Baum würde sagen:Ich treibe f

Blätter und Blüten; denn ich hoffe, der Herr wird Frühregen undSpätregen geben, daß die Blätter groß werden und die Blüten Fruchtbringen". Aber sieh! jetzt öffnet der Frühling ganz leise das Kirch-hoftor. Was mag er dort wollen? Er schaut hinein und zählt, wie !

viel neue Gräber hinzugekommen sind; dann geht er still über dieGräber weg, streut Blumen über die alten, deckt Rasen über die neuen,und dazu spricht er:Schlafet nur, Ihr Toten! Es kommt wohl einMorgen, der Euch aufweckt, und ein Frühling, der Euch schöner an-lächelt, als ich's kann". So wird der Frühling ein Bote der Hoffnung.

4. Die Nacht als Berkünderin der unaufhörlichenTätigkeit des Schöpfers.

(Draseke.)

Es ist Nacht", sagen wir,Nacht in der Schöpfung; nun ruhen jalle Wälder; es ruhen Städt' und Felder; es ruht die ganze Welt". j

Aber verhält es sich so, wie es dem einfältig frommen Sinne in diesem :

Bilde däucht? Ist die Erde das Universum? Und schlummert auch in !den Höhen das Leben ein, wenn es hier unten schlafen geht? Überdies: .!Ruhet denn die ganze Erde, wann uns die Nacht grüßt? Wandert i

nicht des Tages wohltätige Herrin, die Sonne, wenn sie uns verläßt, s

den Bewohnern der entgegengesetzten Erdhälfte zu? Und was ist denn, ;wenn Ihr wähnet, es ruhe alles auf der nachtumschatteten Erde? Feiert jnun die gesamte Tätigkeit? Werdet Ihr nun keine Spur des Lebens gewahr? iDurchwandert die Finsternis! Hört Ihr den Gesang und den Neigen? jEs ist eine fröhliche Schar, die den Tanzsaal lieber hat als den Schlaf. >