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Gänge fähren zuletzt in ein längliches Gemach, in welchemein marmorner Sarkophag stand. HnnderttanfendM e n f ch e n f o l l e n z w a n z i g I a h r e a n d i e f e r P y r a-mioe gebaut haben.
Wozu diese Riesenmassen gedient, blieb lange unge-wiß. Einige hielten sie für Kornmagazine, andere fürWasserbehälter, noch andere für eitle Prnnkgebände ägyp-tischer Könige, die durch mühevolle Arbeit das Volk imZaume zu halten suchten. Ja, die frommen Pilger, welcheeinst hingezogen gen Jerusalem, glaubten voll Verwun-derung, hier den babylonischen Thurm zu sehen. Jetztaber, nach der genauen Untersuchung des Innern, weißman, daß sie Königsgräber waren. Man hat auchGrabkammern und Sarkophage i» denselben gesunden.
Kein Volk verwendete mehr Zeit und Fleiß ant seineGräber, als die Aegyptier. Allgemein war nämlich derGlaube an die Fortdauer der Seele nach dein Tode. DieseFortdauer hing jedoch von der Erhaltitng des Leichnamsab. War dieser nicht erhalten, so konnte der Verstorbene —glaubte man — nicht in das selige Reich der Todtenin der Unterwelt gelangen. Daher sorgten sie so sehrfür die Erhaltung der Leichname. Jeder bauete die Grab-male seiner Angehörigen, ja sein eigenes Grab im Vor-aus an einsamen und abgeschiedenen Orten, deren Naturder Stille des Grabes entsprach. Diese Ruhestätten derEntschlafenen wurden westlich in den Felsenboden einge-hauen, der das fruchtbare Land von der libyschen Küstescheidet. In solchen unzerstörbaren Grabkammern, dieder anstretende Nil nicht berühren konnte, sollten dieTodten ruhen. Und um die Verwesnng abzuwehren, wurdedie Leiche einbalsamirt. Aeußerlich überzogen sie dieselbemit einer härtende», aber durchsichtigen Materie und setztensie dann bei. Solche einbalsamirte Leichname nennt manMumien, von dem dazu gebrauchten persischen ErdharzeMuni. Tausende haben sich bis auf den heutigen Tag