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wohnende, die in ihrem Herzen spricht: Ich bin'Sund außer mir keine mehr! Wie ist sie zur Wüstegeworden, zum Lager des Wildes!"
Die Trümmer von Ninive sind in den letzten Jahrenvon Frankreich und nachher von England aus untersuchtund erforscht worden. Alles hat sich buchstäblich erfüllt.Ninive ist zur Wüste und zum Lager des Wildesgeworden bis auf den heutigen Tag. Man hatdie Ruinen des ungeheuern Konigspalastes entdeckt, dessenPracht und Größe seither unerreicht geblieben. Der Be-sucher mußte auf gewaltiger Treppe von der niedernStadt auf die Terrasse emporsteigen, auf welcher derPalast erbaut war. Diese Treppe war rechts und linksbegrenzt von Hallen mit bildlichen Darstellungen, aufwelchen die Abgesandten der unterjochten Völker den Tri-but ihres Landes dein Herrscher entgegenbrachten. Obenwurde der Fremdling über einer Estrade von künstlichemSteinweck auf ein ungeheures Portal zugeführt und mitjedem Schritte mußte er von der Größe Assyriens mehrüberwältiget werden. Eine zweite doppelflügelige Treppeführte zu der eigentlichen Palastlerrasse. Der Eingangwar von riesigen Gestalten bewacht, von kolossalen ge-flügelten Löwen oder Stieren mit Menschenhäuptern, diein unwiderstehlicher Majestät des kleinen Menschen zuspotten schienen. Der innere Palasthof stellte durch seineBilder die ganze Reichsgeschichte dar. Schlachten, Siege,Trinmphzüge, Heldenthaten auf der Jagd, religiöse Cere-monien waren an den Wänden in Alabaster gehauenund in prächtig glänzenden Farben dargestellt. Unterjedem Bilde stand in Keilschrift, die mit leuchtendem Ku-pfer ausgefüllt war, die Erzählung der dargestellten Szene.Es ist kaum ein Punkt aus dem staatlichen, religiösen oderbürgerlichen Leben des assyrischen Volkes, über den nichtdie Bildwerke und Geräthschaften Aufschluß geben. Dieverschiedensten Kriegsszene» bieten sich unserm Auge. Da