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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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geschichtliche Wahrheit der hl. Schrift, währenddie Ruinen zu gleicher Zeit in der überraschend-steu Weise die Worte der Propheten bestätigen.

VI. Die Jugendzeit des Königs Cyrus.

Astyages, der letzte König von Medien, hatte eineTochter, die er an einen Perser, Cambyses, verheira-thete. Sie bekam einen Sohn, welcher den Namen Cyrnsoder Kares, d. h. Sonne, erhielt. Nun befiel den KönigAstyages große Angst wegen eilies Traumes, den er ge-habt hatte. Er fürchtete, Cyrns könnte ihn einst vondem Throne stürzen. Daher ließ er das Kind vor sichbringen und übergab es dem Harpagus, einem seinerHofleute, mit dem Befehle, dasselbe im mildesten Gebirgezuni Verhungern auszusetzen. Harpagus nahm das Kind,ging fort und weinte. Er konnte es nicht über's Herzbringen, selbst das Kind zu todten. Doch fürchteteer den Zorn seines Königs und gab es einenr Hirtenzum Aussetzen. Auch der gute Hirt konnte es nicht. Ernahm das schöne Knäbleili mit sich nach Hanse und gabes seilier Frau, deren Kind gerade gestorben war. Undsie schmückten ihr todtes Kind mit den schöllen Kleiderndes Cyrns und setzten es statt seiner aus.

Cyrus aber wuchs in voller Schönheit in des HirtenHütte heran. Fröhlich wie das Lämmlein auf der Weidehüpfte er umher und spielte mit beu andern Kindern.Gewiß ahnte Keiner, daß das muntere Knäblein in seinemSchüferröckchen einst noch der mächtigste König von Asienwerden würde. Die Kinder hatteli ihn alle lieb, weil erso munter und verstälidig war. Bei ihren Spielen mußteer immer König sein. Einst spielte auch der Sohn einesvornehmen Meders mit ihnen. Cyrns war wieder Königund wies jedem seinen Posten an. Das vornehme Söhn-chen aber ivollte sich von dem Hirtenknaben nicht befehlenlassen. Da half nichts; es wurde für seinen Ungehorsam