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Staaten Handel und Industrie, Luxus und Moden." Sowar es in allen heidnischen Staaten. Sie glänzten einigeZeit durch kriegerische Heldenthaten, durch Wissenschaftund Kunst, verloren sich dann in Luxus und Genußsuchtund gingen schließlich unter; denn es fehlte ihnen ebendie stets neugestaltende Kraft des Christenthums, das auchgesunkene Böller wiederum heben kann.
Auch in Griechenland erwachte gleich im Anfang eineigenthümlicher Heldengeist. Körperkraft und kühner Muthgalten für das Höchste; Waffen waren die köstlichstenSchätze. Während die Frauen in stiller und abgesonderterHäuslichkeit wohnten und webten, übten sich die Männerin ritterlichen Spielen, oder durchzogen, bald einzeln, baldin ganzen Schaaren, das Land, um es von Räubern undwilden Thieren zu säubern. Denn damals hausten nochin dem Dickicht der Wälder wilde Eber, in den sumpfigenSeen gräuliche Schlangen, Berg und Thal erscholl vomGebrülle der Löwen und Büffel. Auch fern von derHeimath, in weit entlegenen Ländern, suchten sie Kampfund Beute. Manschen und Vieh wurden im Triumpheals Siegesbeute fortgeführt. Durch ihre Großthaten habensich Herkules, Theseus, Perseus, Bellerophonund andere Helden der grauen Vorzeit einen solchen Ruhmerivorben, daß ihre Nachkommen voll Erstaunen sie alsHalbgötter verehrten und ihre wunderbaren Thaten inschönen Liedern besangen. Kämpfe mit Drachen, Niesenund Ungeheuern aller Art, selbst Reisen in die Unterweltsind in den Sagen und Liedern von den Großthaten dieserHelden nichts Seltenes. So heißt es von Herkules, erhabe schon als Kind in der Wiege zwei Schlangen wiezarte Faden zerrissen. Als Knabe soll er einen Oliven-baum aus der Erde gewunden, aus diesem sich eine Keuleverfertiget und hiemit einen Löiven erschlagen haben, dessenHaut ihm dann als Bekleidung diente. Wenn auch andiesen und ähnlichen Erzählungen Vieles übertrieben und er-