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sinnlos niederstürzte. Sterbend bat der Unglückliche noch,seinen Leichnam nicht zu schänden. Aber für den Mörderdes theuersten Freundes gab es keine Gnade mehr. Achillesdurchbohrte ihm die Füße, zog einen Riemen hindurchund band den Leichnam an seinen Wagen. Dann peitschteer die wilden Pferde an und jagte mit ihm über Stockund Stein nach dem griechischen Lager, — zum bitterstenSchmerze des alten Vaters und aller übrigen Trojaner,die oben auf der Mauer standen und dem schrecklichenSchauspiele zusahen. So weit kann die Leidenschaft ent-menschlichen !
Zehn Jahre lang dauerte der Heldenkampf vor Troja,bis endlich die Griechen durch eine List des Nachts inDie Stadt eindrangen und sie in einen Schutthaufen ver-wandelten. Nun erfüllte sich das Wort, das Homer demgriechischen Heerführer Agamemnon in den Mund legt:
„Einst wird kommen der Tag, da die heilige Jlios hinsinkt,
Priamus selbst und das Volk des lanzenkundigen Königs."
VIII. Die Götter Gricchciilands.
Die Griechen hatten sich eine ganze Welt von Götterngebildet und die einzelnen Götter mit den Tugenden undFehlern der Menschen ausgestattet. Die griechischen Gott-heiten erscheinen als Glieder einer großen Familie, welcheim Olymp wohnt. An der Spitze derselben stand Uranus,der Himmel, aus den: Alles hervorging. Sein SohnChronos (bei den Römern Saturnns) verschlang, alsSinnbild der Alles verzehrenden Zeit, seine Kinder; nurZeus (Jupiter) wurde durch List gerettet. Als Königder Götter beherrschte dieser den Olympus und leitetenach des Schicksals Fügungen die Angelegenheiten derGötter und Menschen; denn über ihm stand das Schick-sal oder Fatum als eine eiserne Nothwendigkeit. DesZeus Gemahlin, Hera (Juno), wird als sehr neidisch undfeindselig geschildert. Poseidon (Neptunus), der Gott