Ueber solche Tollkühnheit ergrimmte der König. Erdrohte den Mncius lebendig zu verbrennen, wenn er ihmnicht auf der Stelle die Verschwörung entdecke. „Sieh herund lerne," rief dieser trotzig, „wie wenig denen das Lebengilt, die hohen Ruhm vor Augen haben!" — und er streckteseine rechte Hand in die lodernde Flamme des nahenOpferherdes. Ein Grausen ergriff Alle. Der König spranggerührt von seinem Sitze, riß ihn vom Feuer weg undschenkte ihm großmüthig Leben und Freiheit. Da sprachder listige Mucius, als wollte er für die Großmuth er-kenntlich sein: „So wisse denn nun, unser dreihundert ha-ben sich verschworen, auf diese Art dir beizukommen. Michtraf das Loos zuerst, die Uebrigen werden so, wie es sietrifft, jeder zu seiner Zeit sich einstellen."
Es war natürlich, daß Porsenna alle Lust verlor, mitsolchen Feinden länger Krieg zu führen. Er selbst machtejetzt Vorschläge zum Frieden. Anfangs bestand er zwarauf der Wiedereinsetzung des Tarquinius. Da aber diesenicht zu erwirken war, so ließ er es dabei bewenden, daßihm ein gewisses Gebiet in Etrurien, welches die Römerden Vejentern weggenominen hatten, eingeräumt ward. ZurSicherung des Friedens mußten die Römer Geiseln stellen.
Unter diesen war auch Clölia, eine edle Jungfrau,mit mehrern Gespielinnen. Kaum angekommen im etrnri-schen Lager, überlistete sie in der Nacht die Wächter,schwamni, den übrigen Mädchen voran, durch den Tiber-fluß und brachte sie alle wohlbehalten nach Rom zu ihrenEltern. Die Römer aber sandten die kühnen Mädchen so-gleich zu Porsenna zurück. Der ritterliche König ehrtejedoch den weiblichen Muth. Er schenkte der Clölia nichtnur die Freiheit, sondern er erlaubte ihr sogar, sich nocheinige von den übrigen Geiseln loszubitten. Sie wähltedie jüngsten und kehrte ntit ihnen froh nach Rom zurück.
Dieser Heldenmuth der Römer darf freilich in keinerWeise mit der Standhaftigkeit der christlichen Märtyrer