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Ganz besonders zeichnete den großen Staatsmann jeneerhobene Nüchternheit aus, von der Alles durchdrungenund getragen war, was er that. Ihr verdankte er dasVermögen, unbeirrt dem Augenblicke zu leben; ihr dieFähigkeit, in jedem Augenblicke mit gesammelter Kraftzu handeln und auch den kleinsten Dingen seine volleThätigkeit zuzuwenden; ihr die Vielseitigkeit, mit der eralle möglichen Dinge zu gleicher Zeit umfaßte; ihr diesichere Leichtigkeit, mit der er seine Feldzugspläne entwarf;ihr die wunderbare Heiterkeit, die in gesunden und bösenTagen ihm treu blieb; ihr endlich die vollendete Selb-ständigkeit, die keinem Schmeichler, nicht einmal einemFreunde, Gewalt über sich gestattete. Daher war dennauch Cäsar von frühester Jugend au ein Staatsmannim vollsten Sinne des Wortes, sein Ziel das schönste,das der Mensch sich stecken kann: die politische, gei-stige und sittliche Wiedergeburt der tief ge-sunkenen römischen Nation. Dieses Ziel verfolgteer während seines ganzen Lebens, in den Zeiten hoff-nungsloser Erniedrigung, wie, da er als Mitinhaber derhöchsten Geivalt und sodann als Monarch vor den Augender Welt im vollen Sonnenscheine des Ruhmes dastand.Wenn auch der Ehrgeiz in seinem Leben eine großeRolle spielte, so war derselbe doch immer diesem großenZiele: der Erhebung seines Volkes, untergeordnet. Alleines war in dem römischen Reiche schon zu weit gekommen.Cäsar vermochte dem Strome des Verderbens nicht mehr zuwiderstehen; ja er selbst fiel in der Blüthe seines Lebensdurch die ruchlose Mörderhand einiger Verschworenen imJahre 44 v. Chr. am 15. März.
Obwohl gewarnt, begab sich Cäsar an jenem Tagedennoch in die Senatsversammlung. Als er in das Rath-haus gekommen war und auf seinem Sitze Platz genom-men hatte, drängten sich sogleich die Verschworenen umihn herum. Voran stand Tullius Cimber und bat
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