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einem Reichstage zu Soissons zum Könige ausgerufen undunter Genehmigung des Papstes von Bonifazius, dem Apostelder Deutschen, in Mainz gekrönt im Jahre 732. Mit ihm be-ginnt die Reihe der Karolingischen Könige.
Unter den Karolingern 782 — 870.
Die ruhmreichste That Pipin’s ist die Gründung desKirchenstaates. In Italien wurden nämlich die Herulerund Rugier schon nach 13 Jahren von den Ostgothen, dievon Ungarn herkamen, vertrieben. Diese mussten wiederden tapfern Feldherren des Kaisers Justinian in Konstantinopel,Belisar und Narses, weichen, welche Italien unter demNamen Exarchat (Statthalterschaft) zu einer Provinz desgriechischen oder oströmischen Reiches machten. Narses, beider griechischen Kaiserin verleumdet, wurde bald nach Kon-stantinopel zurückberufen, rief aber zu gleicher Zeit aus Rachedie Longobarden aus Pannonien herbei, die unter AlboinOberitalien (Lombardei) eroberten. Aistulf, ein NachfolgerAlboins, zog auf Rom los. Da rief der bedrängte Papst Ste-phan II. den Frankenkönig Pipin zu Hilfe. Dieser erschienund nöthigte Aistulf zur Abtretung von Ravennamit dem ganzen Exarchat und andern 20 Städtenan den Papst. Die Schenkungsurkunde Pipin’s, dieauf den Namen des hl. Petrus und aller seiner Nach-folger lautete, wurde auf dem Grabe des hl. Petrusniedergelegt. Das ist die feierliche Begründung des Kir-chenstaates im Jahre 788. Noch einmal, unter Desiderius,fielen die Longobarden in’s römische Gebiet ein. Aber derSohn Pipin’s, Karl der Grosse, besiegte sie, machte dem Lon-gobardenreich ein Ende, bestätigte die Schenkung seines Vatersund nannte sich nun König der Franken und Longobar-den, Schutzherr von Rom. — Der Nachfolger Pipin’s
Karl der Grosse (s. Bild XXVI) hatte das Reich vorallem gegen die kriegerischen Nachbarn zu schützen und da-her fast beständig das Kriegsschwert zu führen. Der blutigsteund längste Krieg aber — er dauerte 3t Jahre — war der-jenige gegen die Sachsen, welche die weite Ebene zwischender Elbe, dem Niederrhein und der Nordsee bewohnten und