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blühende Meierhöfe, prunkende Paläste zeugten von demWohlstände des Landes. Im reich gesegneten Thal desQuadalquivir, dem „maurischen Paradies", lag Cordovader Hauptsitz arabischer Bildung, die Residenz der oma-jadischen Chalifen. Diese Stadt soll 212,000 Gebäude,darunter 600 Moscheen gehabt habe». Die hier errichtetenSchulen waren so berühmt, daß selbst Christen aus an-dern Ländern dahin zogen und es nicht verschmähten, beiUngläubigen zu lernen. Vorzüglich legten sich die Araberauf Medizin, Mathematik und Astronomie (Sternkunde).
Unter Ha kern II., dessen Erziehung die berühmtestenGelehrten geleitet hatten, erreichte wissenschaftliches undkünstlerisches Streben den höchsten Glanzpunkt. Dem Vor-bilde des kunstliebeudeu Herrschers eiferten die Großendes Reiches nach. Daher wurden die Paläste der Wessireein Sammelplatz der erleuchtetsten Geister; in den pracht-schimmerndeu Goldsäleu kamen sie zusammen. Teppicheaus goldgestickten seidenen und wollenen Stoffen bedecktendie Marmorböden, prächtige Tapeten schmückten die Wände,die Versammelten lagerten sich am duftenden Kohlenfeuer.Erst wurden Abschnitte und Verse aus dem Koran vor-gelesen; dann sprühten die Geistesfunken wechselseitigenGespräches. Ueber Religion und Politik ward nicht ge-redet, das verbietet der Koran. Desto eifriger wurde dieDichtkunst gepflegt; denn die Sprache der Araber istleicht und bildsam. Selbst die Chalifen warben um denLorbeerkranz der Dichtkunst.
Doch über all' diesem Glänze maurischer Cultur lagwie ein düsterer Todesschatten die Lehre Muhamed's.Wohl war es Bildung, was die Muhamedaner anstrebten,aber es war nur Stückwerk und Aenßerlichkeit.Die erhebenden Künste der Malerei und Plastik fandenbei Mnhained keine Gnade; ebenso verschloß ihm seineVerachtung des Weibes jenes weite Feld der Poesie, woder mittelalterlich-deutsche Minnegesang die köstlichsten