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Kreuzzüge noch fünf andere an, jedoch alle ohne nachhalti-gen Erfolg. Jerusalem blieb in den Händen der Türken.Wenn auch die Kreuzfahrer ihren Hauptzwecknicht erreichten, wenn auch viele Taus ende de r-selben in dem fremden Erdtheile ihr Grab fan-den, so blieben doch die Kreuzzüge für dieBildung und Veredlung Europa's von über-wiegendem Nutzen.
Während die Nationalität und das Lehenswesen dieMenschen noch vollständig von einander trennten, hat dasKreuz sie zu einem großen Bruderbünde vereiniget. DieNationen der verschiedensten Zungen verbanden sich zueinem einzigen Heere; Franken, Flamänder, Gallier, Ale-mannen, Briten, Bayern, Normannen, Engländer, Ita-liener, Griechen, Armenier fochten unter einer Fahne,unter dem Kreuzespanier.
Selbst die Frauen schloffen sich dem Zuge au, undnicht wenige zeichneten sich aus durch ihren Heldenmuth.Florine, eine Tochter des Herzogs von Burgund, fielkämpfend an der Seite von Sveno, dem einzigen Sohnedes Königs von Dänemark. Margaretha von Henne-gau suchte unter den Leichen ihren von den Sarazenenerschlagenen Mann; eine andere Margaretha ver-theidigte Jerusalem gegen Saladin und kehrte allein, nurmit ihrem Helm, ihrer Schleuder und mit ihrem Psalmen-buche nach Europa zurück. Als die Männer alles Ver-trauen auf diese Züge und allen Sinn dafür verlorenhatten, wollten die Frauen von Genua statt ihrer aus-ziehen.
Das Ritterthum erreichte durch die Kreuzzüge seinehöchste Vollendung. Die Ritter bildeten einen besondernStand. Religion, Ehre, Tapferkeit und Hoch-achtung gegen das weibliche Geschlecht warendie vier Haupttugenden der Mitglieder. Die Aufnahmein diesen Stand erforderte eine vieljährige Vorbereitung