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leite Werke schaffen, alle jene Thaten vollbringen, allejene Helden und Heldinnen erzeugen, die während des Mit-telalters an unserem Geiste vorübergezogen. Es ist gut,daß manche seiner Denkmale heute noch vor unsern Augenstehen,- es ist gut, daß der Riesendoni zu Köln noch festauf seinem Fundamente ruht und in seiner steinernenMajestät und Größe jeden ungläubigen Beschauer ver-wirrt,— sonst würde die krankhafte Zweifelsucht unseresJahrhunderts unwiderleglich darthun, daß in einer sobarbarischen und finstern Zeit ein so großartiger, har-monisch gegliederter Bau niemals habe entstehen können.Fehler hat es überall und allzeit gegeben. Aber erstenskommen dieselben nicht auf Kosten der Religion, und zwei-tens verschwinden sie wie Nebelschleier vor dem Glänze derSegens- und Ruhmesthaten der damaligen christlichenWelt. Kaiser und Könige, die, geziert mit allen Tugendendes Herrschers und Familienvaters, ungezwungen unterihre Unterthanen treten, um ihnen Recht zu sprechen; Für-stinnen, am Rocken sitzend oder im Kreise der Kinder, diesie beten und arbeiten lehren; Ritter, voller Kraft undMuth, die um heiliges Interesse, nicht um eitlen Ge-winn das Schwert führen und Schutz bieten allen Schwa-chen und Hilflosen; geistliche Helden, die Wunden schla-gen und Wunden heilen; Mönche, welche die göttlicheund menschliche Weisheit bewahren und mittheilen; Prie-ster, welche muthig ihr Leben wagen, um fremde Seelenzu retten; ehrenhafte Bürger, unzählige Heilige, Musterder Selbstverleugnung, der -Gottes- und Menschenliebe,—das ist das Bild des Mittelalters. Christus herrschte indieser Zeit; Christus allein ist der Schlüssel dieserWeltperiode.
„Nur wer sich auf deu Mittelpunkt gestellt,
Aus Golgatha, vom Licht der Welt umstoßen,
Versteht die alte wie die neue Welt;
Den Uebrigen bleibt ihr lichter Geist verschlossen."