245
Stätten errichtet, die Millionen verschlangen, ohne etwasNamhaftes zu leisten. Desshalb musste man sie wieder Schlies-sen, sollte der Staat nicht ganz verarmen. Da versuchtendie Arbeiter eine neue Revolution. Furchtbarer Tumult wü-thete drei Tage lang in den Strassen von Paris. Louis Na-poleon, ein Sohn Ludwig Bonaparte’s, des Königs von Hol-land, und der Hortense Beauharnais, einer Stieftochter desKaisers Napoleon, wurde zum Präsidenten der Republik undam 2. Dezember 1832 als Napoleon III. zum Kaiser derFranzosen proclamirt.
Auch diese Revolution hatte ihre Rückwirkungen aufdie übrigen Staaten. Es erhob sich ein Aufstand in demlombardisch-venetianischen Königreich, das unterOesterreich stand; aber der tapfere Radetzky schlug dieEmpörer nieder. Im Kirchenstaate waren ebenfalls grosseUnruhen ausgebrochen, so dass Papst Plus IX. flüchtenmusste und sich nach Gaeta begab. Ein französisches Heerunter dem General Oudinot stellte die Ordnung wieder her,und der Papst kehrte im Jahre 1850 wieder nach Rom zu-rück. Die Schweiz erhielt am 12. September 1848 eineneue Bundesverfassung. Auch in Oesterreich fanden re-publikanische Schilderhebungen statt; und erst dem KaiserFranz Joseph war es möglich, besonders das aufrührerischeUngarn zu beruhigen und der Gesammtmonarchie eine allgemeinbefriedigende Verfassung zu geben. Ebenso bekam Preussenerst Ruhe, als eine konstitutionelle Verfassung die alte ver-drängte. Mit dem Jahre 1850 wurde es im Ganzen ruhigerin Europa, und der Friede konnte seine Segnungen wiederentfalten. Alle diese Kämpfe aber lieferten vor allem dieeine grosse Lehre der Geschichte: Keine Verfassung,und sei sie auch noch so vollkommen, wird echtesVolksglück begründen können, wenn nicht dasVolk dafür reif geworden ist durch regeren Sinnfür bürgferliche und häusliche Tugend, durchwärmeres Pflichtgefühl und vor allem durch hö-here Gottesfurcht, die erst allen Gesinnungen undHandlungen die echte Weihe gibt.
Napoleon III. suchte sich die Gunst aller Parteien zu