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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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feilt Hausgeräthe ward verkauft, sein Silbergeschirr einge-schmolzen, sein Bettzeug den Kraukeu überlassen. Hungerndund tobmübe kani er einst zu seinem Hausmeister, um einStück Brod zu erbitten; er fand keines mehr vor.

Zum Herrn,der Wunden schlägt und wieder heilt",dertobtet und lebendig macht", sendete er das inbrünstigsteGebet Tag und Nacht zum Himmel; um seine Barm-herzigkeit herabznrnfen über das zerschlagene Volk, führteer die zusammengeschmolzene Heerde der Seinen in Bitt-prozessionen zu den Heiligthümern der Stadt. Er schrittder klagenden Menge voraus, einen Strick umseinen Hals, hoch das Zeichen der Barmherzigkeit,das Kreuz des Herrn, tragend, mit Blut bedecktan den entblößten Füßen, für Alle ein Vorbildernster Bnße und reumüthiger Zerknirschung.

Am Fuße der Alpen in der Diöcese Novara erhebtsich in stiller Abgeschiedenheit der Berg Varallo. Hierstanden, von Karl Borromäus errichtet, die Leidens-stationen unseres Herrn. Sie bildeten eine mächtige An-ziehungskraft aus jedes christliche Gemüth. Kurz vorseinem Tode sehen wir den hk. Erzbischof, der sich dort-hin zurückgezogen, noch im Dunkel der Nacht mit seinemSeelenführer, P. Adorno, bei Lichterschein von Bild znBild in andächtigem Gebete wallen und das Leiden desHerrn betrachten. Hier wollte er am Beispiele seinesErlösers lernen, gut zn sterben. Der Cardinal war ebenim besten Mannesalter, im 46. Jahre seines Lebens, daergriff ihn ein Fieber; er ließ sich nach Mailand tragenund bereitete sich zum Tode. Mit heiliger Inbrunst eni-pfing der Erzbischof die Sterb-Saeramente, ließ sich nochdas Bußkleid anziehen und hauchte nach dreistündigemTodeskampf seine heilige Seele Gott anheim. Es warder 3. November 1584, das 22. Jahr seiner erzbischöflichenVerwaltung. Die Trauerbotschaft seines Todes ver-breitete sich mit Blitzesschnelle durch alle Lander; unrein