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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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dann mit Maximilian einen Vertrag abschloß, hernachwieder dem Franzosenkönig seine Dienste anbot, daraufdurch höhere Geldsummen abermals für das Haus Habs-burg gewonnen wurde, einen Monat später jedoch umnoch bedeutendere Summen und Zusicherungen seine Stim-me zum dritten Male Franz I. zu geben versprach. Sotief war das Fürstenthum gesunken. Kein Wunder, wenndie kaiserliche Macht immer mehr zum Schatten wurdeund die innere Verwirrung in erschreckender Weisezunahm. Nur der Anhänglichkeit des deutschen Volkes andas Habsburgische Haus ist es zu verdanken, daß Karl,und nicht ein Fremder, die deutsche Kaiserkrone erlangte.Die Fürsten hatten von der Erbitterung des Volkes Alleszu fürchten, wenn sie nicht die Stimme für Karl abgaben.Daher wurde er denn endlich am 28. Juni 1519 ge-wählt, und das zahlreich versammelte Volk jauchzte lautauf, als ihm der Name König Karls verkündet wurde.Mit ungewöhnlicher Pracht ward er im folgenden Jahrezu Aachen gekrönt.

Kaiser Karl V. war ein vollendeter Staatsmann, er-füllt von einem großen, glänzenden Ideale, Nach demhohen Begriffe des Mittelalters sah er im Kaiser dasHaupt der Christenheit und den Schirmherrn der ver-einten abendländischen Kirche. Deßhalb war er unab-lässig bemüht, die Katholiken und die Protestanten wiederzu vereinigen. Er hielt Reichstag über Reichstag unddrang sogar auf die Berufung eines allgemeinen Concils,um die streitenden Parteien zu versöhnen. Aber seineBemühungen blieben umsonst; das Feuer des religiösenAufruhres griff zu rasch um sich.

Um so glücklicher war Karl in den Staatsgeschäften.Kluge Berechnung kennzeichnet ihn überall. Nirgendssieht man ihn jagen nach eitlem Erfolge, deffen Glanzin wenigen Tagen wieder erbleicht. Er trug stetsdas volle Bewußtsein dessen in sich, was er beab-