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das Landvolk und die Kinder, um sie in der Religionzu unterrichten.
Wie viel Gutes alle diese Orden stifteten und theil-weise heute noch stiften, laßt sich nicht ermessen; es stehtmit unauslöschlichen Zügen eingeschrieben im Buche der Ver-geltung. Aber eine andere große Lehre bietet uns hier dieGeschichte: Sobald die Kirche Gottes volle Frei-heit genießt, so erstehen in Kurzem tausendsegensreiche Anstalten, deren Bedeutung fürBildung und Kultur unberechenbar ist. Deß-halb können sich Fürsten und Völker keine em-pfindlichere Wunde schlagen, als wenn sie dasLeben der Kirche unterbinden oder gar jeneStätten des Gebetes, der Bildung und Gesit-tung mit frevler Hand zerstören.
XLVII. Die großen Maler des 16. Jahrhunderts.
Keine Kunst hat in diesem Zeitraume mehr geblüht,als die Malerei, und kein Land größere Maler hervor-gebracht, als das schöne Italien.
Zuerst begegnet uns Leonardo da Vinci, einerjener allseitigen Geister, die als wahre Wnnder derSchöpfung hin und wieder in der italienischen Geschichtevorkominen. Er ist Maler, Bildhauer, Dichter, Baumeister,Naturforscher, Weltweiser; groß als Künstler und er-haben als Mensch und Christ, soll er zugleich von solcherKörperkraft gewesen sein, daß er ei» Hufeisen mit bloßerHand zerbrechen konnte. Er war der Sohn eines Floren-tiners, geboren auf dem Schlosse Vinci (1452)
Schon als Knabe zeichnete er viel. Sein Vater zeigteeinige seiner Zeichnungen bent Maler Verocchio. Dieserstaunte über die außerordentlichen Fähigkeiten des Knabenund nahm ihn als Schiller in sein Atelier auf. DieFortschritte des jungen Leonardo waren wunderbar. Schollim Jahre 1472 galt er als Meister, nicht bloß im Malen,