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Beinkleider und Mantel von rothem Scharlach, wie aucheine rothe Leibbinde, einen hoch aufgestützten runden Hut,von welchem eine rothe Feder wallte, und an den Füßengroße (Stulpstiefeln. Seine Gestalt war lang und hager,die Augen voll Feuer; sein Erscheinen unter den Solda-ten erfüllte alle mit Grauen. Wehe dem, der seinem Be-fehle zuwider handelte. „Lasset die Bestie hängen!" warseine gewöhnliche Redensart. Deßhalb darf Wallensteinnie mit dem großen Feldherrn Tillp, welcher sich ebenfallsim dreißigjährigen Kriege so sehr hervorthat,, auf gleicheLinie gestellt werden. Tilly und Walleustein waren großeGegensätze. Jener bezahlt aus den Kassen des katholischenFürstenbundes, der Liga, den Sold und erbittet sich Le-bensmittel: dieser preßt aus den Ländern, durch die erzieht, was er gebraucht, unbekümmert um Wohl und Wehseiner Mitmenschen. Jener ist bescheiden und tritt ein-fach auf, lebt ärmlich, schläft auf hartem Lager: diesererscheint überall mit dem größten Glänze itnb Pompe,hat 800 Bediente, ein Gefolge von 1100 Mann, trägtsich mit den kühnsten, eigensüchtigsten Plänen. Tilly glühtfür Recht und Erhaltung des Reiches: in WallensteinsHaupt gähren weltumstürzende Pläne. War Tilly strengreligiös und hielt er ängstlich die Fasten, so kümmerteWallenstein sich wenig um Religion.
Eine andere tiefeingreifende Persönlichkeit des dreißig-jährigen Krieges war Gustav Adolf. Es ist jedochirrig, wenn man den König von Schweden vorzüglich alseinen Beschtitzer und Vertheidiger des Protestantismus inDeutschland ansieht. Der Drang nach kriegerischemRuhme, das war der Hauptgrund, der ihg nach Deutsch-land trieb. Wie vor 2000 Jahren Alexander, der ju-gendliche König von Macedonien, so wollte auch der Schwe-denkönig erobern. Gustav Adolf gab zwar vor, er brechein Deutschland ein, um den evangelischen Glauben zu schü-tzen. Aber wenn es ihm um den Glauben zu thun war,