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perlichen Vorzügen. Doch die innige Zuneigung, welcheihr der Prinz stets bezeigte, gewann ihm ihre aufrichtigeLiebe und Freundschaft. Die Vorbereitungen zur Trau-ung wurden mit großer Pracht und vielem Aufwandegetroffen. Zu den gewöhnlichen Ceremonien, welche beider Trauung eines königlichen Paares damals stattfanden,fügte Maria noch eine besondere hinzu, welche nicht wenigbeitrug, die Feierlichkeit zu erhöhen: es war die Verleih-ung der Ehekrone von Seite der königlichen Braut auden Bräutigam, wodurch sie diesen als Mitherrscherihres Reiches anerkannte.
Der König ließ sich ganz und gar von seiner ihmüber Alles theuern Gemahlin leiten, und diese befolgtegenau alle Wünsche und Rathschläge ihrer Oheime. Ka-tharina von Medicis wurde den Regierungsgeschäfteuvöllig fern gehalten. Dies erbitterte sie nicht wenig ge-gen die junge Königin und sogar gegen ihren Sohn Franz,dem sie überhaupt viel weniger zugethan war, als ihremjüngsten Sohne, dem Herzog von Anjou. Sie war da-her nicht sonderlich betrübt, als der König schon in demAlter von achtzehn Jahren starb. Ein bösartiges Ge-schwür im Ohr brachte ihm den frühen Tod.
Mit seinem Hingange hatten Mariens glückliche Tageihr Ende erreicht. Der Schmerz über den Verlust ihresGemahls schlug ihrem Herzen eine schwere Wunde. Sieverlor mit dem Gatten unendlich viel, eine gleichgesinnteSeele, die mit allen ihren Neigungen übereinstimmte, alleihre Wiinsche theilte und erfüllte. Sie verlor mit ihmdie schönste Krone Europa's, die Mittel, ihr gutes Rechtauf die Krone von England geltend zu machen; sie ver-lor endlich das Land niit dem milden Himmel, wo sieerzogen worden, um es gegen das rauhe schottische Berg-land mit seinen düstern Nebeln zu vertauschen. In Frank-reich konnte sie nicht länger bleiben, dies sah sie wohlein. Sie traf daher Anstalten zur Rückkehr nach Schottland.