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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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LX. Philipp II., König von Spanien.

Die Regierungsweise Philipp II., Königs von Spa-nien, war eine ganz eigenthümliche und verschiedene vonder seines großen Vaters Karl V. Während Kaiser Karlüberall persönlich erschien und gegen Jedermann offenund freundlich war, beschränkte sein Sohn alle seine Thä-tigkeit auf sein Cabinet und hielt sich ferne von dem Ver-kehre mit Andern. Er nahm nicht einmal an den Sitz-ungen seines Staatsrathes Theil. Alle Beschlüffe seinerRäthe von einiger Bedeutung wurden ihm aus einem gebro-chenen Blatte Papier vorgelegt, auf dessen Rande er seinGutachten, seine Verbefferungen anzeichnete. Die Bittschrif-ten, die Briefe, die an ihn einliefen, die geheimen Be-richte kameir sämmtlich in seine Hand. Seine Arbeit undsein Vergnügen war, sie in seinem Cabinete zu lesen,zu überlegen, zu beantworten. Von hier aus, zuweilenvon einem ergebenen Sekretär unterstützt, oft in voll-kommener Einsamkeit, regierte er die ihm unterthänigeWelt; von hier aus setzte er die geheimen Triebfederneines guten Theils der gesammten Geschäfte in Bewegung;da war er ganz unermüdlich. Wir haben Briefe, dieer um Mitternacht geschrieben. So war er der aller-thätigste Geschäftsmann von der Welt. Mit seinen Fi-nanzen beschäftigte er sich ununterbrochen, und wir findenihn über dieselben zuweilen besser unterrichtet, als seinePräsidenten. Von seinem Lande wollte er Alles wissen.Er veranstaltete, daß man Hand an eine allgemeineStatistik von Spanien legte, von welcher Arbeit dieBibliothek des Escurials noch sechs Bände aufbewahrt.In jedem Kirchensprengel hatte er einige Correspon-denten, die ihm über die Geistlichen, die Inhaber derPfründen, genauen Bericht erstatteten. Ebenso war erüber die Professoren an den höher» Schulen anf's ge-naueste unterrichtet. Diejenigen, welche sich um ein Amt