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Illustrirte Weltgeschichte in Charakterbildern in verbindung mit einem Abriss der Geschichte : für Schule und Haus / bearb. von Franz Xav. Wetzel
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Mochte dieses abgeschlossene und kalte Wesen desKönigs Manchen abstoßen, so verdient seine rastlose Thä-tigkeit dennoch unsere Bewunderung, da dieselbe auf nichtsAnderes abzielte, als auf die Erhaltung des katho-lischen Glaubens. Philipp war ein strenggläubiger,der Kirche treu ergebener Katholik und hegte die festeUeberzeugung, daß es sein Beruf sei, die Kirche zil unter-stützen und zu beschützen. Hierin liegt der Schliissel allerseiner Unternehmungen. Er sieht in den Moriscos, dieer besiegt, wie in den Türken, die Don Juan bei Le-panto schlägt, vor allem Feinde des Glaubens; in denNiederlanden gilt sein Eifer vornehmlich der Glaubens-neuerung; ebenso veranlaßten ihn religiöse Gründe, diestolze Armada zur Eroberung Englands auszusenden.War doch damals überall der Protestantismus der Haupt-hebel der politischen Opposition. Deßhalb konnte Philippnur in der Einheit des Glaubens das einzige Fundamentder Ruhe und Ordnung des Staates erblicken und mußtefolglich die Erhaltung der katholischen Religion zur Haupt-aufgabe seines -Lebens niachen.

In seinem häuslichen Leben traf den König mehr alsein Unglücksschlag. Er hatte nach einander vier Frauen.Von der ersten, Maria von Portugal, war ihm ein Sohn,Don Carlos, geboren. Dieser war ein sehr schwäch-licher und kränklicher Prinz, dem eben deßhalb alle Nach-sicht vergönnt wurde. Zum Lernen hatte er weder Lustnoch Antrieb; es entwickelte sich schon früh in dem äußerstreizbaren Knaben ein Hang zu Tücke und feiger Grau-samkeit. Er gefiel sich unter Anderm darin, Kaninchen,die ihm zum Spiele gegeben wurden, den Hals umzu-drehen und sein Auge an ihren Todeszuckungen zu wei-den. Mit den zunehmenden Jahren vermehrte sich auchdie Wildheit seiner ungebändigten Natur und steigertesich oft bis zum Wahnsinne. Keiner war dann vor denAusbrüchen seiner Wuth sicher. Selbst gegen seinen