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Vorgängen wird es erklärlicher, wie auch Katholiken ein-mal vom Fanatismus sich hinreißen ließen zu einerThat, welche zwar von Katholiken begangen, niemals abervon der katholischen Kirche gebilliget wurde.
LXIII. Das goldene Zeitalter Frankreichs.
Bei Ludwigs XIII. Tode war sein Sohn und Thron-erbe Ludwig XIV. kaum fünf Jahre alt. Daher über-nahm seine Mutter, Anna von Oesterreich, die vor-mundschaftliche Regierung. In der That aber lenkte derstaatskluge Mazarin, welcher auch der Erzieher desjungen Prinzen war, alle Angelegenheiten des Reiches;das Parlament, welches durch Richelieu's langen Druckdarniedergehalten und zum unbedingten Gehorsam gewöhntwar, wagte gegen Mazarin's Gewaltschritte anfangs nurunbedeutende Versuche und Bewegungen. Später aber, alsMazarin einige der kraftvollsten Parlamentsräthe, die sichseinen Befehlen nicht immer geduldig fügen wollten, ver-haften ließ, kam der Unwille zu einem gewaltsamen Aus-bruche, und vier Jahre lang, von 1648 bis 1652 warFrankreich der Schauplatz eines großen Bürgerkrieges.Auch mit dem Regierungsantritte des vierzehnjährigenKönigs kehrte die Ruhe noch nicht sogleich wieder, weilder junge König ganz nach den Eingebungen seines Mi-nisters regierte. Er war noch nicht sechzehn Jahre alt,als er einmal auf die Nachricht, das Parlament habe sicheigenmächtig versammelt, um gegen eine vom Hofe er-lassene Verordnung eine Vorstellung abzufassen, plötzlichvon Vincennes nach Paris gesprengt kam, und wie erwar, in Jagdkleidern, Stiefeln und Sporen rmd die Reit-peitsche in der Hand, in die Rathsversammlung trat undin den derbsten Ausdrücken eine solche Amnaßung rügte.Seitdenr machte das Parlament nie wieder einen Versuch,üch den Anordnungen des Königs zu widersetzen, vielmehr