389
rühmten Mann betrachten muß, um ihn nach seinem gan-zen Werthe zu schätzen. O'Connell ist Irland; er ist diePersonifikation eines Volkes von sieben Millionen Men-schen, eines mehrere Jahrhunderte hindurch unterdrücktenVolkes, welches, das schrecklichste denkbare Elend leidend,sein Dasein in Unglück dahinschleppt, von beispiellosenErniedrigungen und Schmerzen überschiittet ist. O'Con-nell ist Irland, und seine Donnerstimme ist die Stimmeeines großen Volkes, welches schreit: Genug, genug Un-gerechtigkeit und Unterdrückung! O'Connell ist Irland,und sein Sieg ist der Sieg seiner Nation.
* 2
Mit dem Bilde dieses großen und einzigen Mannesschließen wir die neuere Geschichte. Große Geister, ge-wandte Staatsmänner, gefeierte Helden, Heroen des Glau-bens, berühmte Künstler und Gelehrte sind an unsermGeistesange vorübergezogen; aber dennoch waren es imVergleiche zum Mittelalter mehr vereinzelte und selteneGestalten. Wie ein blutrother Faden ziehen sich fastunausgesetzte Kriege durch die Geschichte der Neuzeit,angefangen von der großen religiösen Umwälzung des16. Jahrhunderts bis zu den unerhörten Schreckensauf-tritten der französischen Revolution. „Jene glücklichenTage, jene schönen Zeiten sind vorüber, wo Europa einchristliches Land war. Ein großes geiueinschaftliches In-teresse verband die entlegensten Provinzen dieses christlichenReiches. Ohne große weltliche Besitzthümer lenkte undvereinigte ein Oberhaupt die großen politischen Kräfte.Wie wohlthätig, wie angemessen diese Regierrrng, dieseEinrichtung war, zeigte das gewaltige Emporstreben alleranderen nrenschlichen Kräfte, die harmonische Entwicke-lung aller Anlagen, die ungeheure Größe, welche einzelneMenschen in allen Fächern der Wissenschaften, des Lebensund der Künste erreichten." So spricht in wehnrüthiger