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Schweizergeschichte für Bündner Schulen : vom Bauernkrieg bis zur Gegenwart / von F. Pieth ; mit Bildern von Disteli und R. Münger
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den Bundesobmann Leuenberger mit den Abgeordneten dem Lands-gemeindeplatz zuschreiten. Er erschien in dem prächtigen rotenOberkleid, mit welchem ihn die Luzerner Bauern beschenkt hatten.Er war von einer starken Wache begleitet. Die Bauern zogenehrfürchtig den Hut vor ihm; denn sie verehrten ihn mehr alsjeden andern Mann des Landes. Von einem erhöhten Platz auseröffnete er die Landsgemeinde mit einer kurzen Ansprache. Erbegrüßte die Anwesenden als treue, liebe Bundesgenossen. Dannsprach er von der Hinterlist und dem Hochmut der Städte undder Obrigkeiten gegenüber dem Landvolk. Er ließ aufgefangeneBriefe verlesen, aus denen man ersah, wie die Obrigkeiten imSinn hatten, sich an den verhaßten Bauern zu rächen. EinigeLandschaften hatten der Landsgemeinde geschrieben, daß sie wegender großen Entfernung an der Versammlung nicht teilnehmenkönnen. Aber sie werden mit Leib und Seele für die Sache desVolkes einstehen, sobald man sie zu den Waffen rufe. Nun folgteder feierliche Bundesschwur. Es herrschte tiefste Stille, währendder Bundesbrief laut vorgelesen wurde.

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des hei-ligen Geistes schwören wir folgendes: Wir wollen den ersteneidgenössischen Bund, der vor etlichen hundert Jahren geschworenworden ist, wieder aufrichten und erhalten. Wir wollen einanderhelfen, die Ungerechtigkeit abzutun und die Gerechtigkeit herzu-stellen. Alles, was den Herren und Obrigkeiten gehört, soll ihnenbleiben und gegeben werden. Was aber den Bauern und Unter-tanen gehört, soll ihnen auch bleiben und gegeben werden. Hierbeiwollen wir einander schützen und schirmen mit Leib, Hab, Gutund Blut, ohne der Religion des einen oder andern Teiles zuschaden."

Nachdem der ganze Bundesbrief abgelesen war, rief Leuen-berger:Alle diejenigen, welche den Bund nicht beschwören wollen,sollen sich aus dem Ring entfernen!" Nur wenige traten beiseite.Dann kniete er nieder und die Versammlung folgte seinem Bei-spiel. Den Bundesbrief in der Linken und die rechte Hand zumSchwur erhoben, rief er seinen Bundesgenossen zu:Nun, liebeund getreue Leute! Höret auf euern Eid und sprechet mir nachalle die Worte:Was der Bundesbrief sagt, das will ich tunund vollbringen in guten Treuen, auf daß Gott mir gnädig seinwolle an meinem letzten Ende!" Begeistert und mit aufgehobenenSchwörfingern wiederholte das Volk den Eid wie aus einemMunde. Dann wurden von der Urkunde des Bundesbriefes vier