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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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Dorfe todkrank; auch habe ich nur einen Rat: seht, wo Ihreinen jungen Hund bekommt, der 'ihr das Gift aus der Wundesaugt; aber geschwind, geschwind!“ — Mit diesen Worteneilte der Wanderer fort, indes Nachdenken und Verzweiflungsich auf dem Gesichte der Mutter malten. Doch auf einmalwurde ihr Antlitz heiter. Sie erhob sich schnell und freudig,wie wenn man Rettung sieht. — „Ein Hund das Natterngiftaus ihrer Wunde saugen?“ sagte sie, „das wird ein Hundnicht tun; aber eine Mutter kann es; eine Mutter tut es.“Hastig zog sie ihr Kind an sich, drückte die Lippe auf dieWunde und sog — und sog so innig und lange, als könntesie hundertjähriges Lehen aus dieser Wunde saugen. Inzwischensah Antonio den Vater kommen, stürzte ihm entgegen underzählte ihm, was geschehen war, und was die Mutter tue.Vor Entsetzen erbleichte der gute Mann, wankte und hieltsich an dem nächsten Baume. „Was machst du, Vater? riefder Knabe und sprang auf ihn zu, als wollte er ihm helfen.Aber auf einmal bebte er zurück vor einer toten Natter, dieer an des Vaters Stab gebunden erblickte und stammelte:„Ach die Natter war es ja, so eine Schlange hat unsere Fran-ziska gebissen!“ — „Nun, Gott Lob!“ jauchzte der Vater,„das ist keine giftige Natter; das ist eine unschädlicheSchlange.“ Mit nassen Augen erreichte er die Hütte, umfasstedie Tochter mit der Mutter und schloss beide lange in seineArme. „Treffliches Weib!“ rief er hoch entzückt aus, „wiehast du mich erschreckt! Aber Gott sei Dank! die Schlangewar nicht giftig. Der Herr sei gepriesen! Wir bleiben nochbeisammen. Deine Mutterliebe werde ich nie vergessen, unddeine Kinder werden sich ihrer mit dankbarer Rührung er-innern, wann wir schon lange begraben sind.“ (Ritsert.)

4. Der »Sitz unter der Linde.

Entwurf.

Ein Wanderer bemerkt an einem schönen Sommermorgenin einer reizenden Gegend unfern der Landstrasse auf einemHügel eine alte, von einem Sitze umgebene Linde. Er steigtauf die Anhöhe, nimmt dort Platz und bewundert die anmutigeAussicht. Da nähert sich ihm ein Knabe und fragt, ob er