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ihr Haupt; die Erde jauchzte, ihr dufteten die Kräuter, schmück-ten sich die Blumen.
Neidend stand das andere Licht und sah, dass es die herr-liche nicht zu überglänzen vermochte. „Was sollen“, sprachsie murrend zu sich selber, „zwei Fürsten auf einem Frone?Warum musste ich die zweite und nicht die erste sein?“ Undplötzlich schwand, von innerm Grame verjagt, ihr schönes Lichthinweg; hinweg von ihr floss es weit in die Luft und warddas Heer der Sterne. Wie eine Tote bleich stand Luna da,beschämt vor allen Himmlischen und weinte: „Erbarme dich,Vater der Wesen, erbarme dich!“
Und Gottes Engel stand vor der finstern da; er sprachzu ihr des heiligen Schicksals Wort: „Weil du das Licht derSonne beneidet hast, Unglückliche, so wirst du künftig nurvon ihrem Lichte glänzen; und wann dort jene Erde vor dichtritt, so stehest du halb oder ganz verfinstert da wie jetzt. —Doch Kind des Irrtums, weine nicht! der Erbarmer hat dirdeinen Fehler verziehen und ihn in Wohl verwandelt.“ „Geh“,sprach er, „sprich der Reuigen zu! Auch sie in ihrem Glänzesei Königin! Die Tränen ihrer Reue werden ein Balsam sein,der alles Lechzende erquickt, der das vorn Sonnenstrahl Er-mattete mit neuer Kraft belebt.“
Getröstet wandte sich Luna, und siehe! da umfloss siejener Glanz, in welchem sie jetzt noch glänzt. Sie trat ihnan, den stillen Gang, den sie jetzt noch geht, die Königin derNacht, die Führerin der Sterne. Beweinend ihre Schuld, mit-leidig jeder Träne, sucht sie, wen sie erquicke; sie sucht, wensie tröste. (Herder.)
15. Der Weinstock.
Am Tage der Schöpfung rühmten sich die Bäume gegeneinander, ein jeglicher frohlockend über sein eigenes Dasein. —„Mich hat der Herr gepflanzt“, sprach die erhabene Zeder;„Festigkeit und Wohlgeruch, Stärke und Dauer hat er in mirvereinigt.“ — „Jehovas Güte hat mich zum Segen gesetzt“,sprach der weithin schattende Palmbaum; „Nutzen und Schön-heit hat er in mir vermählt.“ — Der Apfelbaum sprach: „Wieein Bräutigam unter den Jünglingen prange ich unter denBäumen des Waldes.“ — Und die Myrte sprach: „Wie unter