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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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kaum mehr in die Ferne folgen können; ein anderer schwärmtauf rauschendem Schlitten, und Fröhlichkeit, Scherz und Ge-lächter herrschen unter den kleinen, zerstreuten Scharen. Aufdieser Seite lenkt der Landmann, der die Schätze der Wälderund des Feldes nach der nahen Stadt bringt, seinen Wagenüber den gefrornen See, um, milde gegen seine Rosse gesinnt,ihnen den Weg zu verkürzen. Da zieht der schwere Wagenknarrend über die neue, eisige Strasse, und die Pferde schla-gen mit ihrem Huf auf das feste Wasser.

Fast jeder Morgen zeigt uns neue Werke des Frostesvon mannigfaltigen Gestalten und Farben, die er in der stillenNacht bildete. Das Dach ist mit silbernen Eiszapfen umhängen;der Wasserfall scheint nur zu rauschen, und Tropfen starrenan Tropfen, indem sie fortfliessen wollen. Die vorn Felsenherabfliessenden Regenströme haben ihren Lauf vergessen undbilden an den Wänden, an welchen sie sich ergossen, lange,weisse Säulen, die dem Auge entgegenschimmern. Dann tönetdie Erde unter dem Tritte der Reisenden, und jeder Schallbricht heller durch die kalte Luft. Vergebens senken sich dieStrahlen des Mittags auf die versteinerte Erde herab; kaumfühlt sie die schwache Berührung des erwärmenden Lichtes,und wenn auch das Tal auf einige Stunden seine Härte er-weichen zu lassen scheint, so wiederholt doch bald der Frostsein kaltes Blasen und zwingt das, was die milde Sonne auf-gelöst hatte, wieder unter seine Herrschaft. (Hirsohfeid.)

3. Der Sommermorgen.

Schon entweicht der Mond mit seinem bleichen Gefolge;schon fangen am dämmernden Himmel die ersten Farben derMorgenröte an aufzuglimmen. Allmälig verlassen die falbenSchatten die Ebenen und ziehen sich tief in die Nacht derWälder zurück. An dem Gipfel der Berge wallen die Nebelauf und nieder und scheinen unter einander zu streiten, wiesie vor der Ankunft der Sonne entweichen wollen; der rascheLauf der Flüsse und die stille Flut des Sees sind von einemDampf bedeckt, der nach und nach an den angrenzendenHügeln hinanzieht, indessen hier und dort die Spitzen derWälder und Landhäuser aus der Dunkelheit emporragen, dortder lange Gürtel grauer Gebirge, die sich mit dem Himmel