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Hand gehen. Doch dem Kleinen behagte dies wenig, nnd wie-wohl er sich dem väterlichen Befehl fügte, so folgte er dochdaneben dem Zuge seines Innern und übte täglich seine Geistes-kraft. Der Vater hatte den Plan, den Knaben zu einem Ge-lehrten zu machen, seihst ungern aufgegeben; er nährte daherden regen Wissenstrieb, indem er manches schöne Buch insHaus schaffte, welches Benjamin in seinen Feierstunden mitallem Fleisse benutzte. Im zwölften Lebensjahre wurde er zuseinem ältern Bruder Jakob, welcher in Boston Buchdruckerwar, in die Lehre gebracht. Bald machte er in der Kunst des-selben beträchtliche Fortschritte; daneben versäumte er dasStudium nicht, und schon zwei, drei Stunden, bevor die ge-wöhnliche Tagesarheit begann, sowie oft ganze Nächte hin-durch sass und las und lernte er mit solchem Eifer, dass eres bald dahin gebracht hatte, selbst eine kleine Schrift zuverfertigen, die von vielen mit Beifall aufgenommen ward. Oftsah man ihn, das Buch in der Hand, während er mit der andernein Stück Brot zum Munde führte, welches er durch ein GlasWasser dem Magen zugänglicher zu machen suchte. Späterversuchte er sich abermals mit Glück in Schriftstellerei. DieserErfolg verleitete ihn, wie er später selbst gestand, gegen seinenBruder zuweilen vorlaut und ungerecht zu sein, und es kamendlich zu einer Trennung von ihm. Nach einem vergeblichenVersuche, in seinem bisherigen Aufenthaltsorte Arbeit zu finden,begab er sich nach Philadelphia in Pennsylvanien. Die Reisedahin, auf welcher er einen Seesturm erlebte, war für ihngefährlich genug.
Franklin wurde in einer Buchdruckerei aufgenommen undmachte bald Aufsehen durch seine Kenntnisse und Talente,und so versprach ihm der Statthalter der Provinz die nötigeUnterstützung, damit er eine eigene Druckerei anlegen könne.Mit diesen Aussichten machte er im Jahre 1724 einen Besuchim elterlichen Hause, welcher dort grosse Freude bereitete.Mit dem Versprechen des Statthalters, Kreditbriefe für ihnnach England zu schicken, reiste Franklin dahin ah, um daszur Anlegung einer Druckerei Nötige selbst anzukaufen. Alleinvergeblich suchte der junge Mann in England die Kreditbriefe;es fand sich auch nicht ein einziger. Da war denn in dieserweiten Entfernung von seinem Vaterlande guter Rat teuer.