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S. Bester Täter!
Es sind seit meiner Abreise von Hause erst drei Wochenverflossen; doch muss ich gestehen, dass ich mich sowohl anmeinem Kostorte als auch im Geschäfte schon ganz daheimfühle. Meine Kostgeber tun alles Mögliche, um mir den Auf-enthalt bei ihnen angenehm zu machen. Letzten Sonntag fuhrensie mit mir auf dem Dampfschiffe nach Hör gen. Es war einprächtiger Nachmittag. Die schönen Fluren, Dörfer und Land-häuser längs des Sees mit den Alpen im Hintergründe bildenein einziges Gemälde, dessen Eindruck nicht so bald wiedererlöschen wird.
Im Geschäfte werden mir noch keine grossen Zumutungengemacht. Eine besondere Freude macht es mir, dass Herr See-mann mich häufig Berechnungen über Warensendungen machenlässt. Er erklärt mir dabei das mir noch Unbekannte mit soviel Güte und solcher Klarheit, dass ich meine, ein Primär -schüler müsste die Sache verstehen. Seine Freude über meinenEifer gibt er mir dabei deutlich zu verstehen, und das erhöhtmeine Lust an der Arbeit.
Letzthin sagte mir Herr Seemann, ich sollte notwendignoch weitem Unterricht in der französischen Sprache gemessenund auch das Englische anfangen. Die nötige Zeit für die Unter-richtsstunden und die Präparationen würde er mir gerne ein-räumen. Er sagte mir auch, dass ich die Stunden mit PaulHess, dem Sohne eines seiner Verwandten, besuchen könnte,so dass ich für die einzelne Stunde nur einen halben Frankenzu bezahlen hätte. Ich bitte dich, mir die Erlaubnis zu geben,daran teil zu nehmen, und verspreche, nicht nur die Stundenaufs beste zu benutzen, sondern namentlich auch an Sonntagenund in den Morgen- und Abendstunden mich in den beidenSprachen möglichst zu üben, um dir alle unnötigen Ausgabenzu ersparen.
Grüsse mir die 1. Mutter und die Geschwister und nimmselbst die herzlichsten Grüsse an
von deinem Albert.
Aufgaben:
1. Anmeldung zur Aufnahme in das Lehrerseminar, die Industrieschule, da*Gymnasium oder ein Privatinstitut.