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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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Die Aufwärter, an ihren numerirten Sammetmützen kenntlich,Sassen oder standen herum, tranken da und dort ein halbvollstehengelassenes Bierglas aus oder assen eine YiertelportionLeberli auf, die über den Appetit eines Schützen gegangen.Lebhaft ging es dagegen im Schiesstand zu. Alle Scheibenwaren besetzt; Schuss auf Schuss; drei, vier, fünfe knalltenzugleich.Hallo und Hurra! Ein Gaukler! ja! ja ! ertönte.Schützen und Richtschützen drängten sich in den weiten Raum,und die Lader mit hochgehaltenen Stutzern hatten Mühe, sichvon den Schiesslucken zu ihren Ladbänken und zurück einenWeg zu bahnen.

Auf dem freien Platze, und namentlich um den Gaben-tempel, wogte das Volk auf und ah; man drängte sich, tratsich auf die Füsse, stiess sich auf die Seite, ohneexcusez!zu sagen. Da dröhnte Kanonendonner herüber; eine Musik-tande trat rasch zusammen; ein halb Dutzend feine Herrenmit seidenen, rot und weissen Armbinden stürzten eilig ausden Bureaux, gesellten sich zu der Festmusik und stellten sichvor dem Gabentempel auf. Was Beine hatte, lief auf sie zu,scharte sich um sie, und bald hatte sich ein undurchdringlicherKnäuel gebildet, welcher nur in der Richtung gegen denTriumphbogen eine freie Gasse liess.Was gibts? was istlos? Wieder eine Salve!

In diesem Augenblicke erschien unter dem Triumphbogeneine kleine Schützengesellschaft; es mochten zwölf bis zwanzigMann sein. Die Feldmusik spielte das:Rufst du mein Vater-land ; die Herren entblössten ihre Häupter, und die Kanonendonnerten eine letzte Salve. Auf zehn Schritt vor dem Komiteangelangt, machte die Schützengesellschaft halt. Der Fahnen-träger schwenkte die Fahne in zierlichem Bogen zum Zeichender Begrüssung und übergab sie dem Komite mit einer vonEatriotismus glühenden Rede. Mit ebenso warmer Begeisterungwurden die neuankommenden Schützen begrüsst. Nach einemfeierlichen Hoch auf das Vaterland empfingen diese den Ehren-trunk aus dem kolossalen silbernen Becher. Die Empfangs-zeremonie war vorüber; die neu Ankommenden, von der Feld-musik geleitet, begaben sich in die Festhütte, um etwasFesteszu sich zu nehmen und sich dann hinter das Schiessen zumachen.