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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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sale hier hoch über den Wolken vereinigten Toten rührte michun Innersten der Seele. Alle sind in Leichentücher gehüllt,und weil in dieser scharfen und trockenen Luft kein entseelterKörper verwest, sondern nur allmälig zusammenschrumpft undverdorrt, so erhalten die Gesichtszüge sich lange vollkommenund unentstellt, und mehrere dieser Verunglückten wurden vonAngehörigen und Freunden nach zwei Jahren und darüber nochwieder erkannt. Sie sind nicht über einander geschichtet, son-dern sitzen aufrecht, und jeder Neuankommende wird immermit dem Kopfe an die Brust seines Vorgängers gelehnt. DieseStellung hat etwas Vertrauliches und ganz das Ansehen einesgemeinschaftlichen Schlummers. Vier Reihen solcher Schläferlaufen schon neben einander hin. Die Farbe der Gesichterebenso wie die der Hände und Füsse, welche das Leichentuchbei einigen unbedeckt liess, nähert sich dem dunkeln Zimmet-braun der ägyptischen Mumien.

Ein unbefangener und fröhlicher Ton herrschte bei derMittagstafel, und alles, was ich sonst noch in Rücksicht aufIhre Kollegialverhältnisse zu beobachten Gelegenheit hatte,bestärkte mich in dem erwünschten Glauben, dass die Chor-^ e rren in brüderlicher Harmonie bei einander wohnen. Ihrera gen über die neuesten Weltbegebenheiten bewiesen, dassSle diese nur wie in dämmernder Tiefe, undeutlich und ver-kleinert erblicken. Aber anstatt ihre Tage mit Vergleichunglind Vereinigung derWidersprüche in den Tagesblättern zu ver-derben, beschäftigt irgend ein Lieblingsfach ihre Nehenstunden,Ude z. B. Physik, Mineralogie oder Botanik. Doch sobald dieleidende Menschheit um Hilfe ruft, eilt jeder mit militärischerPünktlichkeit auf seinen Posten.

Herr Daleve, der Schaffner des Klosters, ein gefälligerund achtungswerter Mann, begleitete mich nach dem Jupiters-klane, wo dem Donnerer einst ein berühmter Tempel geweihtWar, von welchem der Berg seine altrömische Benennung MonsJovis erhielt. Zu verschiedenen Epochen hat man da nachAltertümern gegraben, aber stets ohne Erfolg. Man entdeckteunr einige Münzen von geringer Erheblichkeit und eine be-trächtliche Menge kupferner Votivtafein, die als Beweistümer,'wie gefahrvoll man die Reise über den grossen St. Bernhardln den Römerzeiten sich vorstellen musste, der antiquarischenAufmerksamkeit nicht ganz unwert sind.