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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
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Bußen, grausame, ungewöhnliche Strafen sind verboten. Die Preß-freiheit darf nicht beschränkt werden. Die Religion ist Gewissenssache,und jeder ist gleichberechtigt zu freier Religionsübung. Statt einesstehenden Heeres sollen die bewaffneten Bürger, die Milizen, dieSchutzwehr des Freistaates sein." Das waren die Grundsätze, aufdenen Virginien, auf denen alle übrigen Staaten ihre Verfassungenaufbauten. Die meisten brauchten übrigens wenig daran zu ändern.Die Beamten und Behörden, welche früher von der Krone ernanntworden waren, wurden jetzt direkt oder indirekt vom Volke gewählt.Die Krone hatte ihre Rechte verwirkt, diejenigen der Eigentümerwurden um Geld abgekauft. Jefferson, der Verfasser der Unab-hängigkeitserklärung, bewirkte auch, daß Virginien nach dem Grund-sätze des Roger Williams Staat und Kirche trennte, und die übrigenKolonien folgten seinem Beispiele nach. So war der Geist Neu-Eng-lands überall in der Union zum Siege gelangt.

8. Die Unionsverfassung (178789). Aber die 13 Re-publiken erkannten wohl, daß jede für sich allein zu schwach war, dieso teuer errungene Freiheit zu behaupten. Während des Kriegeshatten sie einen Bund gebildet mit einem Kongreß an der Spitze.Allein dieser Bund war so lose und der Kongreß so machtlos, daßschon im Kriege die schlimmsten Folgen zu Tage getreten waren, undals er zu Ende war, machten sich die Mängel und Schwächen derVerbindung erst recht fühlbar. An einem einzigen Manne hing esund es war um die republikanische Freiheit geschehen. Seit demFrieden kümmerte sich niemand mehr um die Krieger, die währendsieben Jahren dem Vaterlande Gut und Blut geopfert hatten. Be-droht, als Bettler entlassen zu werden, ergriff sie Mißmut, und eswurden Stimmen laut, welche Washington geradezu aufforderten,sich mit ihrer Hilfe zum Monarchen auszuwerfen. Aber Washingtonwar nicht nur ein großer Feldherr, er war auch ein guter Bürger undwies mit Entrüstung jene Zumutung von sich. Nachdem er erwirkthatte, daß den gerechten Ansprüchen seiner Waffengefährten Genügegeleistet werde, dankte er ab und zog sich, den alten römischen Feld-herren gleich, als einfacher Pflanzer auf sein Landgut in Virginien