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an zu teil; der eine hatte dies, der andere jenes auszusetzen. Bevorsie in Kraft trat, mußte sie von den einzelnen Staaten angenommenwerden. Es geschah nur allmählich, nicht ohne vielfachen Widerspruch.Namentlich empfand man es übel, daß die Unionsverfassung keineErklärung der Freiheitsrechte enthielt. Der erste Kongreß beeilte sichübrigens, diese Versäumnis durch Zusätze (^menöments) gut zumachen, welche Religions-, Preß- und Vereinsfreiheit, Schutz vor will-kürlicher Verhaftung u. s. w. gewährleisteten. Als durch den BeitrittVirginiens und New Parks sich im Laufe des Jahres 1788 elf Staatenfür die Verfassung erklärt hatten, trat sie in Kraft. Washingtonwurde einstimmig zum Präsidenten ernannt, und am 4. März 178Svereinigte sich der neue Kongreß. Am 30. April erschien Washingtonvor der Versammlung und legte seinen feierlichen Amtseid ab. Sowar es dem herrlichen Manne vergönnt, die Aera der Revolution fürsein Vaterland zu schließen und es in den Hafen des Friedens undGlückes hinüberzusteuern, wie er es mit starker Hand mitten durch denSturm geführt. Fünf Tage später nahm eine Bewegung ihren An-fang, welche nach den in Amerika geltenden Grundsätzen auch Europaumzugestalten begann, die französische Revolution.
8. Die französische Revolution.
I. Ursachen und Anzeichen.
loder» La I'rLnos S0U8 Louis XV, 6 Bde.; LLl'rsuos svus Louis XVI, 3 Bde. Ivequs-vills. L'Luoisn Rsxiius et 1a Revolution. Isine. L'^.uo1su RsAiruo. Lomel, Lss osusss üuLv-eiöres äs l» Revolution I'ranyatss, 2 Bde. Kyb-l, Geschichte der Revolutionszeit, Bd. I.
1. Ludwig XV. (1715—74). — Wenn Ludwigs XIV. langeRegierung, seine unsinnige Verschwendung und Ruhmsucht Frankreichin das größte Elend gebracht hatten, so stürzte die nicht viel kürzereLudwigs XV., seines Urenkels und Nachfolgers, es noch obendreinin die tiefste Schande. Unter ihm riß eine Sittenlosigkeit am fran-zösischen Hofe ein, welche an die der schlechtesten römischen Kaiser er-innerte. Den Anfang machte damit Herzog Philipp von Orleans,der als Regent für den erst fünfjährigen König die Regierung über-