9. Die gesetzgebende Versammlung (1. Okt. 1791 bis20. Sept. 1792) und die Girondisten. — An Stelle der kon-stituierenden (verfassunggebenden) trat jetzt die in der Verfassungvorgesehene legislative (gesetzgebende) Nationalversammlung,deren Aufgabe sein sollte, die einzelnen Bestimmungen der Verfassungdurch Gesetze näher auszuführen. Infolge jenes Beschlusses bestanddiese meist aus unbekannten Leuten, die ohne Ausnahme der Revo-lution zugetan waren. Aber auch sie schied sich alsbald wieder in eine»Rechte"' und eine »Linke", die sich heftig bekämpften. Die Rechte,meist Gesinnungsgenossen Lafayettes, hing aufrichtig der konstitu-tionellen Monarchie an und wollte in allem streng auf dem Bodender beschworenen Verfassung bleiben. Die Linke dagegen war imGrunde republikanisch gesinnt und voller Argwohn gegen den Hof,den sie nicht ohne Grund im Verdachte geheimer Umtriebe mit demAuslande hatte. Vor allem aber gingen die Meinungen darüber aus-einander, wie man sich zu den Wühlereien der Priester und Emi-granten zu verhalten habe. Nicht nur hatten die letztem schon ander deutsch-französischen Grenze zum Einfall bereite bewaffnete Bandengebildet; die rastlosen Aufreizungen der königlichen Prinzen und dieheimlichen Hilferufe Marie Antoinettes hatten es auch dahin gebracht,daß Kaiser Leopold II. und König Friedrich Wilhelm II. vonPreußen auf einer persönlichen Zusammenkunft in Pillnitz eine ge-meinsame Einladung an die Mächte Europas verabredeten, sich mitihnen zur Befreiung Ludwigs XVI. und zur Herstellung der Monarchiein Frankreich zu vereinen. Daher verlangte die Linke Ausnahme-matzregeln gegen die Feinde der Revolution. Ihre Wortführer wareneinige junge Abgeordnete aus Bordeaux, der Hauptstadt des Departe-ments der Gironde, die sich durch Freiheitsstolz und feurige Beredsam-keit auszeichneten, vor allem Vergniaud, nächst Mirabeau der be-deutendste Redner der französischen Revolution, dann Guadet undGensonn6. Diesen schlössen sich eine Anzahl gleichgesinnter Vertreteranderer Landesteile, wieCondorcet und Brissot, in engster Freund-schaft an, und das Wort »Girondist" wurde zum Parteinamen allerdieser Männer und ihrer Anhänger. Bald beherrschten die Girondisten
zuletzt gesucht
- Noch keine Suchworte
Letzte Trefferliste
Die letzte Trefferliste besteht aus Ihrer letzten Suche, samt Filter- und Sucheinstellungen.
AnzeigenSchliessen
Buch
Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
verfügbare Breiten