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Schweizergeschichte für Bündner Schulen : vom Bauernkrieg bis zur Gegenwart / von F. Pieth ; mit Bildern von Rudolf Münger
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Reding verlangt von Schauenburg einen Waffenstillstand von24 Stunden. Dieser wird gewährt, und noch in der Nacht läßtReding die Landsgemeinde einberufen. Sie soll beraten, ob mansich unterwerfen oder weiterkämpfen wolle. Am Mittag des 4.Mai erscheinen die Krieger, die vorher an der Landesgrenze ge-standen haben, auf dem Landsgemeindeplatz bei Schwiz. DerLandsgemeindering wird gebildet. Ein feierlich ernster Anblick.Jeder ist bewaffnet, wie er vom Schlachtfelde kommt. Da siehtman in der Hand der Krieger Gewehre, Speere, Morgensterne,Holzkeulen, und auf den Gesichtern Wehmut, Entschlossenheit undwilde Verzweiflung. Der Landammann eröffnet die Versammlungmit einer passenden Rede. Nach einem inbrünstigen Gebet werdendie Kapitulationsbedingungen vorgelesen. Schauenburg verspricht,die Religion der Schwizer nicht antasten zu wollen. Er verlangtaber Annahme der Helvetischen Verfassung binnen 24 Stunden.Nach Verlesung dieser Bedingungen ergreift Reding das Wort.Er schildert die hoffnungslose Lage und rät, die Bedingungenanzunehmen. Das Volk bleibt zuerst ruhige Als man aber zurAbstimmung schreitet, da erhebt sich ringsumher ein dumpfes Mur-meln, das nach und nach zum wilden Getöse wird. Das Schreienund Toben für und gegen den Vorschlag wird allgemein. Vieledrohen einander mit geschwungenem Säbel, andere zielen mit ge-ladenem Gewehr. Nachdem der Sturm eine halbe Stunde ge-dauert und eine Beratung unmöglich gemacht hat, erscheint aufder Rednerbühne der hochangesehene Chorherr Schüler. Sofortherrscht feierliche Stille. In überzeugender Rede zeigt er seinemVolk, daß Mut und Tapferkeit seine alten Einrichtungen nichtmehr retten können. Der Gegner verspreche Sicherheit der Reli-gion, der Person und des Eigentums. Er gestatte ihnen, unge-stört beraten zu können. Schenke man ihm Vertrauen, und nehmeman seine Bedingungen an. Wiederholt wird der Redner unter-brochen. Endlich aber legt sich der Sturm. Man stimmt ab,und die Kapitulation wird mit großer Mehrheit angenommen.Der Beschluß wird Schauenburg mitgeteilt, und dieser zieht seineTruppen von der Schwizer Grenze zurück, wie es die Schwizerbereits getan haben.

Dem Beispiel der Schwizer folgten die anderen Urkantone.Hätten sich die Eidgenossen zwei Monate früher alle rechtzeitiggestellt, um gemeinsam mit den Bernern den Franzosen entgegen-zutreten, dann wären diese nie imstande gewesen, die Schweiz zuunterjochen. Jetzt aber war es zu spät, und die große Tapfer-