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Schweizergeschichte für Bündner Schulen : vom Bauernkrieg bis zur Gegenwart / von F. Pieth ; mit Bildern von Rudolf Münger
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zu sehen.Wie wird er uns empfangen? Was wird er ausunserm Schweizerländchen machen? Wird er die alte Eidgenossen-schaft wieder herstellen? Wird er den helvetischen Einheitsstaatwieder aufrichten oder die Schweiz am Ende gar mit Frankreichvereinigen?" Mit solchen Fragen beschäftigten sich die schwei-zerischen Abgeordneten auf der Reise.

Endlich sind sie in der französischen Hauptstadt angelangt.Ein hoher französischer Beamter empfängt sie. Zwei Tage späterwird ein Ausschuß von fünf Abgeordneten von Napoleon selbstempfangen. Er begrüßt die Schweizer in einer längeren Rede.

Euer Vaterland", so erklärte er ihnen,ist am Rande desAbgrundes. Mit eurer Hilfe werde ich zwischen euch vermitteln.Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Teilen eures Landes sindso groß, daß sich der Einheitsstaat für euer Land nicht eignet.Die Kantone müssen wieder selbständiger werden. Man mutz sieso einrichten, wie es ihnen patzt. Freilich müssen die Ungleichheitenzwischen regierenden Orten und Untertanenländern aufgehoben blei-ben. Die Untertanenverhältnisse dürfen nicht wieder hergestellt wer-den. Die adeligen Familien und die Städte bekommen ihre Vor-rechte nicht mehr zurück. Stadtbürger und Landleute müssen gleicheRechte haben. Die Schweiz kann keine bedeutende Rolle unter deneuropäischen Staaten mehr spielen. Es ist darum am besten für sie,wenn sie sich eng an Frankreich anschließt. Dann braucht sie keineteure Armee. Sie braucht auch keine Gesandten im Ausland. Siekann so viele hunderttausend Franken ersparen. Sie soll sich auf dieFreundschaft Frankreichs verlassen. Frankreich wird die Unabhängig-keit der Schweiz schützen!"

Jetzt wußten die Schweizer ungefähr, woran sie waren. Zu-frieden werden weder die Anhänger der alten noch die der neuenOrdnung gewesen sein. Aber sie dursten nicht widersprechen.Napoleon forderte sie nun auf, mit den von ihm ernanntenfranzösischen Kommissären zu beraten, wie man die Eidgenossen-schaft und die einzelnen Kantone neu einrichten könnte. Dasgeschah, und nach einiger Zeit überreichten sie Napoleon ihre Vor-schläge. Dann ging er selbst ans Werk und arbeitete zuerst dieeinzelnen Kantonsverfassungen und dann auch die neue Bundes-verfassung durch. Dazu brauchte er mehrere Wochen. Denn eswar keine Kleinigkeit, so viele Kantonsverfassungen und dann erstnoch eine Bundesverfassung genau zu studieren. Die Schweizerhatten also Zeit, sich inzwischen die schöne Stadt Paris anzusehen.

Napoleon diktiert den Schweizern die neue Verfassung.

In einigen Wochen hatte Napoleon die neuen Verfassungenausgearbeitet. Um sie mit den schweizerischen Gesandten zu be-