Buch 
Schweizergeschichte für Bündner Schulen : vom Bauernkrieg bis zur Gegenwart / von F. Pieth ; mit Bildern von Rudolf Münger
Entstehung
Seite
129
JPEG-Download
 

129

(18821885). Die Calancastraße von Grono nach Rossa wurdevon Holzhändlern erstellt. Diese hatten im Calancatal großeWaldungen gekauft. Die Straße wurde dann vom Kanton 1887und 1888 verbessert und verbreitert. Die Domleschger Straße wurde18921896 erbaut, die Umbrailstraße 18981900, die Glenner-straße 19081910, die Samnauner Straße 19071912. DieseStraße allein hat bis Ende des Jahres 1915 im ganzen Fr.1665309.93 gekostet. Die Eidgenossenschaft hat daran Fr.1314400 bezahlt.

Aber nicht alle Gemeinden kamen an die Talstraßen zu liegen;denn die Ingenieure konnten mit der Straßenlinie unmöglich jedemDorf, das hoch oben am Abhang oder tief unten lag, nachgehen.Sie mußten eine Linie einhalten, welche möglichst viele Dörferverband und gleichzeitig eine gleichmäßige Steigung ermöglichte.Diese Steigung durfte bei den großen Straßen, die von Grau-bünden nach Italien führen, nicht mehr als 8 °/o, bei den Ver-bindungsstraßen höchstens 10°/o und bei den Gemeindestraßen,welche abgelegene Gemeinden mit der Talstraße verbinden, bis15 °/o betragen. Viele Gemeindestraßen sind schon gebaut, abernoch nicht alle. Indessen wird jedes Jahr an ihnen gearbeitet, sodaß nach und nach alle Gemeinden mit den Talstraßen verbundenwerden.

Kein Kanton hat so viele Gebirgsstraßen wie Graubünden.Würde man den Fortschritt eines Staates nach seinen Straßenmessen, so wäre der Kanton Graubünden vielleicht der erste derWelt. Das Bündnervolk hat für seine Straßen große Opfergebracht. Es hat im Laufe von hundert Jahren über 20 Mil-lionen für seine Straßen ausgegeben, ungerechnet die 2 hs Mil-lionen Franken, welche die Eidgenossenschaft beigesteuert hat. Aufdiese Leistung darf es stolz sein, und der Alpenwanderer wirdihm dankbar sein dafür, daß es ihm dadurch tausend Schön-heiten der Natur erschlossen hat. Natürlich kosten die Beauf-sichtigung der Straßen, der Unterhalt der Straßen, die Offen-haltung der Bergpässe, die Wiederherstellung von Straßenstrecken,die durch Hochwasser oder andere Naturereignisse zerstört werden,noch immer viel Geld und Arbeit. Die Eidgenossenschaft unter-stützt den Unterhalt der bündnerischen Alpenstraßen jährlich mit200000 Franken. Dem Kanton bleiben aber fast immer nochetwa 280000 Franken zu bezahlen. So viel kostet der Unterhaltunserer Straßen.

s*