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Schweizergeschichte für Bündner Schulen : vom Bauernkrieg bis zur Gegenwart / von F. Pieth ; mit Bildern von Rudolf Münger
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wenig bekannt! Nicht einmal die Gelehrten kannten sie. ImJahr 1702 fragte ein berühmter Zürcher Naturforscher, JohannJakob Scheuchzer, seinen Feund in Einsiedeln, wie und durchwelches Gebirge man von Einsiedeln nach Altdorf kommen könne.Wie ist das seither alles ganz anders geworden! Was sind Da-rms, St. Moritz, Arosa und so viele andere berühmte Kurorte derSchweiz heute! Es sind Städte geworden mit vielen Tausendenvon Einwohnern. Es sind Weltspitäler, Weltsportplätze, Welt-spielplätze geworden mit Hunderten von Heilstätten, Hotelpalästenund allen Bequemlichkeiten einer Großstadt. Und durch unsereBergtäler bewegt sich im Sommer eine Menschenmenge, die nachHunderttausenden zählt. Bis in die höchsten Regionen hinaufführen Bergbahnen, Post- und Reisewagen, auf die höchsten Berg-spitzen hinauf Fußwege. In traulichen Hütten findet der Verg-reisende in den Alpen Schutz gegen das Unwetter. Welche un-geheure Veränderung in einem Zeitraum von nicht viel mehr alshundert Jahren! Wie ist das alles so gekommen?

Zu der Zeit, wo die Berner Patrizier im Waadtland denMajor Davel und in Bern den Samuel Henzi hinrichten ließen,lebte ein Berner, der mit diesem Vorgehen der Regierung nichteinverstanden war. Es war der Arzt, Naturforscher und DichterAlbrecht Hakler. Er gehörte zwar auch einer adeligen Familiean, war aber viel gebildeter und edler gesinnt als die meistenseiner Standesgenossen. Er hatte sich an verschiedenen hohenSchulen im Ausland zu einem berühmten Naturforscher undArzte ausgebildet. Er hatte das verschwenderische, genußsüch-tige Leben in den größten Städten Europas kennen gelernt,wo die Bewohner alles hatten, was sie wünschten, und sich dochunglücklich fühlten. In die Heimat zurückgekehrt, machte er eineReise in das Juragebirge und in die Täler der Berner undWalliser Alpen. Alpenreisen gehörten damals noch zu den größtenSeltenheiten. Die Bergwelt erschien den meisten als etwas Ab-schreckendes. Leute, welche die Schönheit der Berge und dasBergsteigen priesen, schaute man als Sonderlinge an. Zu diesenSonderlingen gehörte auch Haller. Er war entzückt von dergroßartigen Schönheit des Alpenlandes mit den gewaltigen Berg-riesen, den weithinleuchtenden ewigen Gletschern und tiefblauenBergseen, den freundlichen Alpentriften mit ihren weidenden Vieh-herden und den lieblichen Tälern zu den Füßen der Berge. Eben-sosehr aber erfreute ihn, den Städter, das einfache Leben dieserBergbewohner. Er sah, wie anspruchslos sie im Essen und Trinken