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<I) Der deutsche Bauernkrieg. Anfangs hatten Ritter,Bürger und Bauern Luther zugejubelt. Die Bauern hofftenim Vertrauen auf die Predigt Luthers von der „Freiheit desChristenmenschen", ihre schweren Lasten los zu werden; siemußten von ihren Gütern hohe Zinsen zahlen und wurdenvon Fürsten und Rittern vielfach mit neuen Steuern undFrondiensten gedrückt. Nun stellten sie in den „Zwölf Ar-tikeln der Bauern" ihre Forderungen auf; Prediger wie Tho-mas Münzer und auch einzelne Ritter wie Götz vonBerlichingen waren ihre Anführer. Aber der Aufstand, derganz Süd- und Mitteldeutschland ergriffen hatte, wurde von denFürsten grausam unterdrückt. (1525.) Luther hatte anfangsmanche. Forderungen der Bauern gebilligt; aber als sie Blut-taten begingen, hatte er die Herren aufgefordert, die Aufständischenaufs strengste zu bestrafen; denn er wollte nicht, daß das Evan-gelium von Schwarmgeistern und Aufrührern mißbraucht werde.
o) Die Ausbreitung des evangelischen Glaubens. DerKaiser war neun Fahre lang von Deutschland fern und dasvon ihm eingesetzte Reichsregiment verhinderte die Aus-breitung der neuen Lehre nicht; die freien Städte (Nürnberg,Straßburg u. a.) und die Fürsten, die sich dem Evangeliumzugewendet hatten, gründeten besondere evangelische Kirchenunter weltlicher Regierung. (Staatskirchentum.) Luther undsein Freund, der gelehrte Professor Melanchthon, ar-beiteten neue Ordnungen für die evangelischen Kirchen undSchulen aus. (Luthers Katechismus.) Mit dem Schweizer Re-formator Zwingli konnte sich Luther nicht über die Bedeu-tung des Abendmahls einigen; vergebens hatte der eifrigevangelische Landgraf Philipp von Hessen beide Re-formatoren (wie auch Melanchthon und Oekolampad) zu einemGlaubensgespräch in Marburg eingeladen und zu einer Ver-ständigung zu bringen gehofft.
Als im Fahr 1529 auf einem Reichstag zu Spei)ereine Mehrheit von Fürsten und Bischöfen jede Neuerung in