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Glaubenssachen verbieten wollte, protestierten die evan-gelischen Fürsten und Städte dagegen. (Protestanten.) Imfolgenden Jahr überreichten die Protestanten auf dem Reichs-tag zu Augsburg dem Kaiser ihr Bekenntnis, die Augsbur-ger Konfession. Da der Kaiser beständig mit den Fran-zosen und Türken Krieg zu führen hatte, mußte er die Prote-stanten gewähren lassen. Erst als Luther im Jahr 1546 ge-storben war, versuchte Karl V. die evangelischen Fürsten undStädte zu unterwerfen. (Der schmalkaldische Krieg.) Es ge-lang dem Kaiser zuerst, den Kurfürsten von Sachsen und denLandgrafen von Hessen zu besiegen und gefangen zu nehmen;aber eine Empörung der von Frankreich unterstützten Prote-stanten zwang Karl V., die gefangenen Fürsten freizugebenund Frieden zu schließen. Der Augsburger Religions-friede (1555) bestimmte, es sollten lutherische und katholischeFürstentümer und Städte in Frieden nebeneinander bestehen,aber die Obrigkeiten sollten die Entscheidung über die Konfessionihrer Untertanen haben.
59. Der Freiheitskampf der Niederlande.
Im sechzehnten Jahrhundert waren das heutige Hollandund Belgien Untertanenländer des Königs von Spanien,der seine wichtigsten Einkünfte diesen Provinzen verdankte; denndie niederländischen Städte (besonders Antwerpen, Brüssel,Gent) waren durch Tuch- und Teppichindustrie, sowie durchihren Seehandel die reichsten Städte Europas geworden. Jededer siebzehn Provinzen hielt fest an ihren alten Freiheiten;ein Generalstatthalter regierte im Namen des Königs. VonDeutschland her drang Luthers Evangelium und von Frank-reich her die Lehre Calvins in die Niederlande ein; aber dieProtestanten (Lutheraner und Calvinisten) wurden grausamverfolgt. Karls V. Sohn, Philipp II. von Spanien, derzugleich die Macht seines Reiches und des katholischen Glau-