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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte
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zum mindesten forderte es eine Gebietsentschädigung. Doch die Ent-schiedenheit, womit das mächtige Deutschland sich aus Seite seinesBundesgenossen Österreich stellte, und die Friedensliebe der andernGroßmächte bewogen Rußland, beschwichtigend aus die Serben einzu-wirken; es anerkannte mit den übrigen Mächten die Annexion Bosniensdurch Österreich, ohne daß Serbien die verlangte Gebietsvergrößerungerhielt. Montenegro entschädigte sich, indem sein Fürst 1010 sichebenfalls zum König ausrufen ließ. Der Krieg wurde für einmal ver-mieden; doch blieb zwischen Serbien und Österreich eine tiefe Ver-stimmung bestehen.

8. Eroberung von Tripolis durch die Italiener (1911bis 1912). — Die innere Zersetzung der Türkei, wo die Parteien derrefvrmlustigen Jungtürken und der konservativen Alttürken sichmit Staatsstreichen, Militärrevolten, Hinrichtungen und Morden be-kämpften, dann das Vordrängen Frankreichs in Marokko weckten inItalien die Lust, eine längst gehegte Eroberungsabsicht zu verwirk-lichen. Das zwischen Tunis und Ägypten liegende Tripolis, einst einSeerüuberstaat unter türkischer Oberhoheit, aber seit 18Zö eine un-mittelbare türkische Provinz, war das letzte Stück nordasrikanischerKüste, das in europäischen Augen als herrenloses Gut gelten konnte.Schon 1901 hatte Italien mit Frankreich ein geheimes Abkommen ge-troffen, das gegen Anerkennung der französischen Interessen in MarokkoItalien ein Vorzugsrecht aus Tripolis sicherte; ein ähnliches Abkommentraf es später mit England als dem Herrn Ägyptens. Als Mitglied desDreibunds brauchte es von Deutschland und Österreich keine Einsprachezu fürchten. So von allen Seiten diplomatisch gesichert, stellte Italienam 28. September 1911 an die Türkei die gebieterische Forderung, daßsie sich die militärische Besetzung von Tripolitanien gefallen lasse, underklärte ihr, als sie darauf nicht eingehen wollte, schon am andern Tagden Krieg. Die Italiener landeten Truppen — schließlich bis 100,000Mann — in Tripolitanien, wo ihnen' Türken und Araber unter derLeitung eines jungtürkischeu Offiziers Enver Bey einen unerwartetkräftigen Widerstand leisteten. Um diesen zu brechen, unternahmen siemit ihrer Flotte Vorstöße irks Ägäische Meer, wo sie Rhodos und an-dere Inseln besetzten. Nach einjähriger Dauer wurde der Krieg am