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Grundriss der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen, sowie die untern Klassen des Gymnasiums / von J. Helg
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Hannibal war der Sohn Hainilkars, der ebenfalls Feldherr derKarthager gewesen war. Schon als Knabe mußte er dem Bater schwören,zeitlebens ein Feind der Römer zn sein. Napoleon I. zahlte ihn nebenAlexander und Cäsar zn den größten Feldherren, welche die Weltgeschichtekennt. Wie ein Kriegsgott schritt er durch die Reihen der Soldaten. Ausdem Feuer seiner Augen blitzte die Kühnheit seines Geistes hervor, dieWürde seiner Züge verriet die besonnene Klugheit, Gang und Stimmeden angebornen Hcrrscheradel. Keine Gefahr, erzählt sein Lebensbeschrciber,konnte seine Geistesgegenwart erschüttern, keine Anstrengung seinen Körperermüden. Unempfindlich gegen Frost und Hitze, gleichgültig gegen die Ver-gnügen der Schweiger, nicht gebunden an bestimmte Zeiten des Schlafensund Wachens, begehrte er vor dem geringsten Soldaten nichts voraus.Oft schlief er unter seinen Waffen im Kriegsmantel auf bloßer Erde.In seiner Kleidung fand sich nichts, was ihn auszeichnete. Er war dererste, wenn das Treffen begann, der letzte, welcher den Kampfplatz verließ

Den Marsch über die Alpen führte Hannibal im Spätherbst aus.Was er hier leistete, grenzt an das Wunderbare. Von den Schluchtender Berge und von den Gletschern wehte ein eisiger Wind. FrischerSchnee deckte die Wege und Abgründe und machte sie unkenntlich. Fastalle Bergvölker waren dem neuen Ankömmling feindlich gesinnt und über-all mußte er sich den Dnrchpaß erst erkämpfen und erfechten. Hannibalwählte den Weg der Rhone entlang und überschritt dann sehr wahr-scheinlich den kleinen St. Bernhard. Auf der Höhe zeigte der Feldherrden vor Kälte starrenden, von Hunger und Kämpfen erschöpften KriegernItaliens herrliche Gefilde und belebte dadurch anss neue ihren Mut.

3. Hllililibals Siege. In der That schlug Hannibalbald darauf die nur an Siege gewöhnten Feinde nacheinan-der in vier blutigen Schlachten: am Flusse Tessin, an derTrebbia, einem südlichen Nebenflüsse des Po, am tra-simenischen See, im Flußgebiete des Arno, lind endlich2 l 6 bei Cannä (210) in Unteritalien. Hier verloren die Römergegen 70,000 Mann. Zudem fiel ganz Mittel- und Unter-italien von ihnen ab. Im nächsten Augenblicke wäre Romverloren gewesen, hätte nicht Karthago selbst Hannibal ver-lassen und ihm neue Strcitkräfte vorenthalten.

Fabins Cunctator. Roms Feldherr wurde jetzt Fabins. Geschickt mieddieser jede offene Feldschlacht, folgte aber Hannibal auf Schritt und Tritt,schnitt ihm die Lebensmittel ab und schädigte ihn, wo er konnte. DieRömer aber hätten lieber eine siegreiche Schlacht gesehen und nanntenFabins deshalb spottend Cunctator, d. i. Zauderer. Sein UnterfeldherrMinntins prahlte, er würde Hannibal besiegen, wenn er ihn angreifendürfte. Da stellte der Senat ihn an die Spitze der einen Heereshälftc. Ergriff Hannibal an. Aber, o weh! Er und sein ganzes Heer wären auf-gerieben worden, hätte Fabins den Tollkühnen nicht Hilfe gebracht. Vordiesem aber wich Hannibal, indem er lächelnd bemerkte:Endlich hatdoch die Wetterwolke, die immer drohend auf dem Berg lag, ein Unge-witter gebracht." Der gerettete Minntins aber sagte zu seinen Soldaten: