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Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / von Robert Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler
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Vergehen erhielt er die Geißelung, für den Fluchtversuch ein Brand-mal auf die Stirne. Als Todesstrafe galt die Kreuzigung. Krieg undRaub verschafften Sklaven. Ämilius Paullus verkaufte 150,000 Epi-roten; Cäsar soll gar eine Million Gallier nach Rom gebracht haben.Die Sklaven wurden auf besonderen Märkten feilgeboten. Sie trugenam Halse einen Zettel, der Auskunft über Heimat, Alter, Vorzügeund Gebrechen gab. In Italien waren sie viel zahlreicher als diefreie Bevölkerung. Man durfte sie nicht durch eine besondere Klei-dung auszeichnen, aus Furcht, daß sie sich zählen und ihre Machterkennen könnten. Jeder Fremde war rechtlos; die Sklaverei galt alsetwas Selbstverständliches, weshalb niemand an ihre Abschaffungdachte. Sklavenaufstände, die zur Zeit der Bürgerkriege aus Ver-zweiflung über die schlechte Behandlung erfolgten, wurden grau-sam niedergeworfen. So ließ einst Crassus an der Landstraße vonRom nach Kapua 6000 Sklaven ans Kreuz nageln. Eine bevor-zugte Stellung nahmen die Sklavenbeamten ein: die Gutsverwalter,Rechnungsführer, Hausmeister, Sekretäre, ferner Arzte, Lehrer undKünstler. Zur Kaiserzeit wurde die Freilassung für erwiesene Dienstesehr häufig-; ja, die Cäsaren umgaben sich gerne mit Freigelassenenund übertrugen ihnen die höchsten Amtsstellen, da sie sich ge-wöhnlich als zuverlässig und dankbar erwiesen.

6. Rom und die Provinzen. Das kaiserliche Rom zählte etwaD /2 Millionen Einwohner, die in erdrückender Mehrheit besitzloswaren. Die Bürgerkriege hatten gewaltige Lücken in die alte Bürger-schaft gerissen, die durch Freigelassene und Eingewanderte ergänztwurden. Da die Bürger (durch Tiberius) das Wahlrecht verlorenhatten, waren sie ganz auf die Gunst der Kaiser angewiesen, vondenen sie Brot und Spiele verlangten. Das Volk, das nicht mehrdurch Ackerbau und Krieg gekräftigt wurde, verweichlichte undfloh jede Arbeit. Das Ehrgefühl war derart geschwunden, daß einezahllose Menge sich den täglichen Brotbedarf nach Bettlerart schen-ken ließ. Die ständige Jagd nach den rohen Vergnügungen derSpielanstalten brachte eine entsetzliche Verrohung der Sittenund Denkweise. Sittlichkeit und ehrbares Familienleben gehörtenzur Seltenheit. Auch die vornehmen Familien lebten nur dem Genuß.Sie wetteiferten miteinander in Verschwendung und Nichtstun, und dieeinst so stolzen Römer ließen sich von ehemaligen Sklaven regieren.

Die Kraft des Reiches lag in den Provinzen, die sich unterden ersten Kaisern in einer beinahe 200jährigen Friedenszeit außer-