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Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / von Robert Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler
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stand, die ritterliche Lebensweise übten. Sie fürchteten die starkeStellung der Zünfte und hatten das kaufende Publikum vor schlechterArbeit und hohen Preisen zu schützen; deshalb erließen sie häufigVerbote gegen die Zusammenschlüsse. Aber die Handwerker, welchedie Mehrzahl der Stadtbevölkerung ausmachien, nahmen den Kampfauf, ja, sie strebten darnach, in den Rat zu kommen, um Einflußauf die Stadtregierung zu gewinnen. Es kam zu Verschwörungen,Mordnächten, Verbannungen. In Norddeutschland, wo der Handelan Bedeutung das Handwerk übertraf, siegten die Geschlechter, invielen süddeutschen und schweizerischen Siädten dagegen die Zünfte.In Zürich bedrohte man noch 13ü4 jeden, der eine Zunft, Meister-schaft oder Gesellschaft aufrichten würde, mit schwerer Buße, Nie-derreißung des Hauses usw.; aber schon 1336 gelangten die Zünftedurch Rudolf Brun zur Herrschaft. Ähnlich ging es in Basel,Schaffhausen und St. Gallen. In Bern, Freiburg, Solothurn undLuzern dagegen behaupteten sich die Geschlechter; doch gewannenauch dort die Zünfte Einfluß auf das Erwerbsleben.

Die Meister. Jede Zunft bildete unter dem Zunftmeister einebesondere Abteilung im städtischen Heer. Sie hatte ihr eigenesPanner und ihren Schutzheiligen, ihre eigene Zunflstube und ge-meinsame Kasse, aus der die Zunl'tgenossen nötigenfalls unterstütztwerden konnten. Bei Familienfesten wurden neben den Verwandtenin erster Linie die Mitglieder der Zunft eingeladen.

Niemand durfte durch Knechte ein Gewerbe ausüben, das erselber nicht erlernt hatte. So mußte sich jeder Meister über Lern-zeit und Können auswmisen Lehrlings-, Gesellen- und Meister-prüfung. Die Berufe waren streng abgegrenzt. Der Weber durftedie Tücher nicht walken (reinigen), der Walker durfte nicht färbenoder bleichen, der Färber und Bleicher durfte sie nicht scheren usw.Das Halten von Gesellen und Lehrjungen war eingeschränkt, dieZahl der Meister überragte gewöhnlich die der Gesellen. Bei großenstädtischen Bauten besorgte die Stadt das Material, und die Meisterund ihre Gesellen arbeiteten im Taglohn der Stadt.

Die Gesellen. Die Gesellen, Knechte genannt, waren die Lohn-arbeiter jener Zeit. Sie gehörten zur Familie des Meisters und standenunter einer strengen Hausordnung. Die Zunft bestimmte den Lohn,der manchmal aus Waren bestand. 1457 setzten die Meister von20 oberrheinischen Städten einen Lohnsatz auf, der 28 Jahre geltensollte, und die Weber in Speier glaubten, einen solchen für alle Ewig-