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Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / von Robert Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler
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zungen eingeladen, ja, die V Orte wollten die Waffen ergreifen unddrohten, es aus dem Bunde zu stoßen.

Der Ittingersturm. 1524 kam es beinahe zum Kriege. Diezürcherischen Grenzgemeinden Stammheim, Nußbaumen und Burgbei Stein standen unter der hohen Gerichtsbarkeit des Thurgaus,einer Gemeinen Herrschaft, in der die V Orte die erdrückendeMehrheit besaßen, die sie auch rücksichtslos ausnützten. Als dieDörfer die Bilder aus den Kirchen beseitigten, nahm der Landvogtden Pfarrer von Burg mitten in der Nacht gefangen und schleppteihn nach Frauenfeld. Unter dem Geheul der Sturmglocken sammeltensich die zürcherischen Grenzbewohner bewaffnet an der Thur undverlangten die Herausgabe des Gefangenen. Sie wurde verweigert.Voller Wut plünderten die erregten Haufen, entgegen den Ab-mahnungen ihrer Führer, das Kloster Ittingen und steckten es inBrand. Aufs tiefste empört rüsteten die V Orte zum Krieg undforderten die Auslieferung der Anführer, des Untervogts W i r t h vonStammheim, seiner beiden Söhne Hans und Adrian und des Unter-vogts Rüttimann von Nußbaumen. Um den Krieg zu vermeiden,erfüllte Zürich das Verlangen auf die Zusage des Gesandten vonBern hin, daß sie des reformierten Glaubens wegen nicht bestraftwerden dürften. In Baden erfolgte die Verurteilung, wobei manden Angeklagten die Entfernung der Bilder besonders hoch an-rechnete. Sie wurden gefoltert und mit dem Schwerte gerichtet.Nur Adrian Wirth fand auf die Bitten der unglücklichen Mutterhin Gnade. Weitere Zumutungen, wie die Wiedereinführung deskatholischen Glaubens in Stammheim, wiesen die Zürcher zurück. Nurdie Furcht vor dem mächtigen Bern hielt die V Orte vom Kriege ab.

Der Durchbruch der Reformation. Als aber 1528 Berndie Reformation annahm, w T ar das Übergewicht des neuen Glaubensin der Schweiz entschieden. Basel und Schaffhausen, ferner diezugewandten Städte St. Gallen, Biel und Mülhausen erklärtensich dafür. Auch in Glarus, Appenzell und Graubünden hattendie Reformierten eine starke Stellung; sogar die Stadt Konstanz,wo der Bischof seinen Sitz hatte, fiel vom alten Glauben ab.

6. Der erste Kappeierkrieg (1529). Auf Zwinglis Betreibenschlossen sich die Reformierten zum Schutze ihres Glaubens zueinem besonderen Bunde zusammen. DiesemChristlichenBurgrecht gehörten selbst Konstanz, Mülhausen und Straßburgau. Zwingli stand auf dem Gipfel seiner Macht; er w 7 ar der an-