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Geschichtslehrmittel für Sekundarschulen / von Robert Wirz ; in Verbindung mit H. Gubler
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Die Erringung der Seeherrschaft. Als Bauernland hatte England imspäteren Mittelalter für den Außenhandel zunächst nur das Produkt seinerWollschafzucht, die Rohwolle, nachher auch die vorzüglichen Fabrikate derWollweberei zur Verfügung. Jahrhundertelang lag dieser Handel in denHänden der deutschen Hansa. Nachdem aber die Entdeckungen das Schwer-gewicht Europas nach der atlantischen Küste verschoben hatten, verfolgteEngland mit zäher Ausdauer das Ziel, nicht nur den Seeverkehr zwischen deneinzelnen Ländern Europas, sondern auch denjenigen mit den neu entdecktenWirtschaftsgebieten der fremden Erdteile selber in die Hand zu nehmen. Dar-um stand es immer im Gegensatz zu der größten Seemacht des Festlandes.Zur Herstellung des europäischen Gleichgewichtes verband es sich je-weilen mit den festländischen Feinden des Gegners und ruhte nicht, bis dessenSeeherrschaft gebrochen war. Immer war es darauf bedacht, jede gefähr-liche Festsetzung an der flandrisch-belgischen Küste zu verunmöglichen. Be-sonders aus diesem Grunde unterstützte die Königin Elisabeth den Abfall derNiederlande von dem übermächtigen Spanien. Als daraufhindie Große Ar-mada die Eroberung Englands versuchte, wurde sie 1588 durch die viel klei-nere, aber trefflich ausgerüstete und geschulte englische Flotte vernichtendgeschlagen; die spanische Seeherrschaft war ins Herz getroffen. Nachherkam Holland an die Reihe. Die Loslösung von Spanien brachte ihm eineaußerordentliche Handelsblüte. Die Niederländer waren die Frachtführer fürganz Europa; ihre Handelsflotte war der englischen sechsfach überlegen. Indrei wechselvollen Seekriegen, in denen mehrfach auch die Franzosen mit-halfen, wurde die holländische Entwicklung zum Stillstand gebracht. Die Navi-gation s ak te (um 1652) versetzte Holland einen besonders schweren Schlag. Um1700 war die Hälfte der holländischen Handelsflotte erreicht, etwas nach 1750die Konkurrenz schon überflügelt. Die wachsende Handelsflotte wurde eintreffliches Erziehungs- und Hülfsmittel für die Kriegsmarine und ermöglichtedie Erringung der Seeherrschaft. Nun ging es gegen Frankreich. Diealles überragende Stellung dieses Nachbarlandes unter Ludwig XIV. erweckteBesorgnis, weil die Franzosen auch die Seeherrschaft erstrebten. Nach derBeseitigung der Stuarts durch Wilhelm III. von Oranien (1688) bekämpfteEngland Arm in Arm mit dem ebenfalls bedrohten Holland Frankreich zurSee und unterstützte in allen Kriegen dessen festländische Gegner. Über100 Jahre dauerte dieses gigantische Ringen um die Seeherrsehaft. Englandbaute sein erstes Kolonialreich aus, dem auch die gesamte OstküsteNordamerikas zugehörte. Zwar ging es durch den nordamerikanischen Befrei-ungskrieg (1788) wieder in die Brüche; doch fand England während der fran-zösischen Revolutionszeit Gelegenheit, die Verluste mehr als wett zu machen.Bereits ums Jahr 1600 war zum Betriebe des Indienhandels dieOstindischeKompagnie gegründet worden, die mit Hülfe indischer Soldtruppen nachund nach den größten Teil Vorderindiens unter ihre Herrschaft oder Al>-hängigkeit brachte. Die Kontinentalsperre vollendete endgültig das englischeÜbergewicht zur See. Nach dem Falle Napoleons konnte der gewaltige Aus-dehnungsprozeß erst recht ungehemmt, beinahe unbeachtet zum Abschlüssegebracht werden. Planmäßig erfolgte die Sicherung der großen Handelswegedurch die nötigen Zwischenstationen. Um 1860 ging die Verwaltung des un-