74
allgemeine Versammlung der drei Reichsstände nach Ver-sailles, um über die steigende Not des Landes zu beraten.
1789 Am 5. Mai 1789 wurde dieselbe eröffnet. 300 Vertreterdes Adels, 300 aus der Geistlichkeit und 600 aus dem Volkenahmen daran teil. Necker hatte mit Absicht diese Verhält-nisse bestimmt, um dem dritten Stande zu seinem Rechte zuverhelfen. Doch schon von Anfang an herrschte wieder Zwie-spalt in der Versammlung, indem der Adel und die Geist-lichkeit nach Ständen, die Volksvertreter aber nach Köpfenabstimmen wollten.
2. Die konstitnierende Versammlung (1789—1791). Daerklärten sich diese allein zur Nationalversammlung undbeschlossen, dem Staate eine neue Verfassung zu geben.(Verfassnngsrat, konstituierende Versammlung.) Der Königbefahl ihnen, auseinander zu gehen. Aber Graf Mirabeau,der sich vom Adel getrennt hatte und vom Volke gewühltworden war, rief dem königlichen Ceremonienmeister zu:„Sagen Sie Ihrem Herrn, daß wir hier sind kraft der Machtdes Volkes und daß man uns nur durch die Gewalt derBajonette wegtreiben wird." Da antwortete der König,statt energisch seinem Befehle Nachachtung zu verschaffen:„Nun, wenn sie nicht gehen wollen, so mögen sie bleiben."Jetzt war es um das Ansehen des Königs geschehen. Scha-renweise traten nun auch die Vertreter der übrigen Ständezum dritten Stande über.
3. Die Erstürmung der Bastille. Dieser Vorgang inVersailles hatte aber auch in Paris selbst eine gewaltigeErregung hervorgerufen. Zudem hatte Ludwig noch auf dasDrängen des Adels den Liebling des Volkes, Necker, wiederals Minister entlassen. Sofort sammelten sich also dortrevolutionäre Haufen, um nach Versailles zu ziehen undmit Gewalt die Rückbernsung Neckers vom Könige zu ver-langen. Da erscholl auf einmal der Ruf: „Nach der Ba-stille! Nach der Bastille!" Dieses war ein altes Staatsge-fängnis in Form einer Festung auf der Ostseite von Paris.Eine schwache Besatzung verteidigte sie. Diese wurden nie-dergemacht, die Festung niedergerissen und die Gefangenenwurden freigelassen. Es war am 14. Juli 1789. — DemBeispiele der Hauptstadt folgten die Provinzen. Schlösser