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steilen Rand der Reuß hinabzuklettern, durch den wildschäumenden Flnßzu waten, und, indem sie am andern Ufer mühsam hinaufstiegen, dieFranzosen zu umgehen. So ward die Brücke gewonnen, der Übergangüber den gesprengten Bogen mit Brettern und Baumstämmen hergestellt.Am 26. Sept, langte Suworow zu Altdorf an, wo die Gotthardstraßein die Wellen des Bierwaldstättersees mündet und kein Fahrzeug bereitlag, ihn nach dem andern Ufer zu bringen. Eine unwegsame Gebirgs-masse trat ihm entgegen und streckte ihren nackten Felsenarm in das fin-stere Schächenthal hinaus, wie ein riesiger Wegweiser des Schicksals, Nurauf den Hirten- und Jägerpfaden dieser engen Thalschlucht und der Berg-übergänge im Hintergründe war es möglich, zu wirtlicheren Gegenden zugelangen, und selbst dies war zweifelhaft, wenn der Ausgang des Kampfes,der in denselben Stunden am Zürichsee gefochten ward, den Feind in denBesitz dieser Alpenpüsse brachte. Und in welchem Zustande war das Heer!Seit sechs Tagen zog es bergauf, bergab, mußte sich um Fußpfade undBrückenstege schlagen, die Reuß durchwaten, steile Anhänge hinanklimmen,mit kümmerlicher Nahrung, während strömende Regengüsse jeden Schritterschwerten. Schon bildete der Zug der Armee von Airolo bis Altdorfeine ununterbrochene gemischte Reihe von Lasttieren und Nachzüglern.
Ohne den Truppen Ruhe und Rast zu gönnen, schlug der uner-bittliche Feldherr am 27. Sept. den Weg ins wilde Schächenthal ein, umvon da über die steile Felswand des Kinzigkulm den Weg ins Thal derMuota zu finden. Noch am Abend trafen die ersten Kosakenschwärme inMuota ein und nahmen dort ein Paar Kompagnien Franzosen ge-fangen, die von dem nur drei Stunden entfernten Schwyz dahin gesandtwaren; der Zug des ganzen Heeres, das sich ranpenartig über die ödenFelsmassen hinbewegte, dauerte sechzig Stunden. Am Abend des 29. Sept.war die ganze Masse, nach unnennbaren Anstrengungen, in Mnota an-gekommen. Es war kein Leiden, das erschöpfte Soldaten treffen kann,ihnen erspart worden. Und wie viele waren der Ermüdung erlegen oderhatten in den grausigen Fclsabgründc» ihr Grab gefunden! — Als Su-worow das Schicksal der verbündeten Heere erfuhr und die Unmöglichkeiteiner Verbindung mit denselben einsah, entschloß er sich, wenn gleich mitinnerem Widerstreben, zu einem nicht minder beschwerlichen Rückzug überdie Bündneralpen, mit einem ermatteten Heere ohne Fußbekleidung undohne zureichende Lebensmittel. — Ein frisch gefallener, zwei Fuß tieferSchnee, der mit jedem Schritte wich, deckte die schmalen Fußwege, aufwelchen die Felsmassen des Gebirgsrückens einzeln und mühsam erklettertwerden mußten. Von der Höhe herab, soweit das Auge reichte, zeigtensich Graubünden und Tirol als eine ungeheure Schneewllste, keine mensch-liche Spur, kein Pfad war zu sehen: kein Strauch gewährte die Möglich-keit Feuer zu machen; keine Felsspitze ragte hervor, um dem Wandererzum Wegweiser oder zur Stütze zu dienen. Auf dem jenseitigen Abhängewar der Schnee durch den kalten Winter so glatt gefroren, daß nur derStur; der vorder» Menschen und Pferde die folgenden warnen konnte,den gefährlichen Steg mit einem andern ebenso gefährlichen zu vertauschen.Opfer hat natürlich dieser Marsch genug gekostet; die Kranken und Ver-wundeten mußten ohnedies zurückbleiben. Zwischen dem 8. und 9. Okt.kam dann die Armee im Vordcrrheinthal an, wo sie die ersehnte Ruheund Erholung fand.