Band 
Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
Seite
97
JPEG-Download
 

97

gen zu seinem Empfange abgeschickt, und die Miliz znr Paradierung auf-geboten. Unsere Jäger zu Pferd empfingen ihn beim Roten Hans, inderen Begleitung nebst einem Dragoner-Piket, Bonaparte unter demDonner aller unserer nm die Stadt befindlichen Kanonen zum St. Alban-Thor hereinfuhr. Bei dem Gasthofe standen die Freikompagnieii in Pa-rade, aus welchen eine Ehrenwache gezogen wurde, welche ihren Postenim Innern hatte. General Dufonr nebst seinem Stab und 30 französischenJägern war auch hier, um ihn zu empfangen, sowie auch unsere Standes-hänpter. Der Herr Bürgermeister hielt eine kurze aber treffliche Anredean den Helden. Er wurde auf wechselseitige Gesundheit getrunken. Bo-naparte ist gelblicht von Angesicht; seine etwas tief liegenden Augen habeneinen Feuerblick, der alles zu durchbohren scheint. Sein Anstand zeigtErnst ohne den geringsten Stolz, so wie sein Anzug ganz einförmig undPrachtlos ist. Sein Körper scheint durch die außerordentlichen Anstreng-nngen gelitten zu haben, indem er sehr schwach ist, wenig, aber mit vielemNachdruck spricht und immer im Denken begriffen ist. Er blieb bis halb<> Uhr und wählte die deutsche Seite zu seiner Reise nach Rastadt. SeinReisewagcn ist immer mit 8 Pferden bespannt; 4 Leibhusarcn sind seineBegleiter, wovon einer immer am Kntschcnschlag reitet. Unsere Jägerund Dragoner begleiteten ihn bis aufs Neue Hans, allwo er ihncit dankteund dafür aus voller Kehle: „Es lebe Bonaparte!" zur Vergeltung er-hielt. Dieser Volksgcist rührte ihn so sehr, daß er sich äußerte, wahreRepublikaner in Basel gefunden zu haben.')

Endlich, im Jahre 1798, ließ Frankreich seine Truppenin das Land einmarschieren. Schweizer selber, wie Laharpeaus Genf und Peter Bosch aus Basel, hatten in Verbindungmit dem Schweizerklnb in Paris, dazu redlich mitgewirkt.Freiheit und Gleichheit waren dabei natürlich Nebensache.Frankreich gedachte vielmehr, die Schweiz als Schuhwallgegen fremde Mächte zu gebrauchen. Zugleich hoffte es, be-sonders in Bern, reicher Geldvorräte und Schätze habhaftzu werden.

Zuerst wlirde also Genf erobert. Dann lösten sich un-ter dem Schutze der fremden Waffen die Waadtländer vonBern ab und riefen die lemanische Republik aus. Demgegebenen Zeichen folgten die Unterthancnlünder der Reihe nach,so Baden, das Freiamt, Thurgau, die st. gallischen Unter-thanenlande und Tessin.

2. Die Tagsatzung. Die Tagsatznng versammelte sichzum letzten Male im Dezember 1797 in Aarau. Weiter 1797blickende Männer empfahlen den Tagherren von sich aits dieVerfassung zu ändern und die Untcrthanenländer als gleich-

-) V-rgl. „Wochenchronil der Zürcher Zeitung" (Beilage zur „Neuen Zürcherzeituug"

1898) Nr. 1 .

■ Welt- und Schweizerisch. II. 7