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Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
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4. Die Schweiz als europäischer Kriegsschauplatz. Im

folgenden Jahre 1799 wurde die Schweiz, wie wir gesehenhaben, bei Gelegenheit des zweiten Koalitionskrieges derMächte Österreich und Rußland gegen Frankreich zum großeneuropäischen Kriegsschauplatze. Welchem Elende sie aber da-durch anheimfiel, läßt sich denken.

„Die Franzosen behandelten die von ihnen besetzt gehaltenen Ge-genden wie erobertes Land. Wie Zürich, so mußten auch andere Städtegroße Snmmen bezahlen: Basel 800,000, St. Gallen 400,000 Franken.Das helvetische Direktorium sah sich im Oktober zu schweren Klagen be-wogen. Die Vorräte, die Früchte langer Sparsamkeit seien erschöpft, dasVolk unterdrückt. Die Kantone Wallis und Waldstätte hätten nichtsmehr als ihre Felsen, die Trümmer ihrer Wohnungen; bald würden siein Wüsten verwandelt und die Einwohner genötigt sein, ihr Brot in derEbene zu betteln. Der Kanton Baden hatte durch die sranzösischen Trup-pen einen Schaden erlitten von 4,800,000 Franken. Der Viehbestandwurde vielerorts um ‘fs, ‘ji, sogar um s /s gemindert. Im Nrserentaleblieben von 220 Sanmpserden noch 40 und von 40 Bergochsen noch 3.Dieses Thal hatte vom Oktober 1798 bis zur selben Zeit des folgendenJahres 861,700 Plann verpflegen müssen. In Freibnrg hatte ein kleinesDorf in einem halben Jahre 25,000 Mann Einquartierung gehabt mit-unter kamen auf ein Hans 20, 30 und 40 Mann. Der Thurgau hattevom September bis Dezember fast 1 1 /a Millionen Franken für die Fran-zosen verausgaben müssen, wovon auf Arbon allein 75,000 Fr. fielen.

Die Forderungen wollten kein Ende nehmen und dies in einer Zeitwo die Steuern von 1798 noch nicht ganz, diejenigen von 1799 noch garnicht bezogen waren. Die helvetische Staatsschuld wuchs gewaltig und dieBeamten mußten fast durchweg ohne Gehaltsauszahlung arbeiten. DiePreise der Lebensmittel erreichten eine unerschwingliche Höhe und da auchGewerbe und Handel darnieder lagen, so herrschte vielerorts kläglicheHungersnot. Planche Dörfer waren auch zerstört, viele Alphntten vonden fremden Truppen abgetragen und als Brennmaterial verwendet wor-den. Die Bcrggegenden litten am meisten. Aus den Kantonen Wald-stätte, Säntis und Linth mußten 4500 Kinder in die reicheren Kantonezu mildthätigen Leuten gebracht werden, damit sie dem Hnngcrtode ent-gehen konnten. „Alan macht sich kaum einen Begriff davon, welchen Graddas Elend erreicht hat," schrieb der französische Gesandte in der Schweiznach Paris.

Doch mit dem Aufhören des großen Krieges gingen die Leiden derSchweiz noch nicht zu Ende. Die Franzosen hielten das Land noch bis1801 besetzt und alle Vorstellungen, es möchte Frankreich seine Armeeselbst erhalten, bliebe» nngehört/")

4. Parteikämpfe. Zugleich begannen wieder die Par-teikümpfe im Innern. Ein großer Teil der Bevölkerunghatte trotz aller Anpreisungen die Früchte der Revolution

•) Diindliler, Geschichte der Schweiz III. S. IN.